Spätestens nach dem Marbus-Virus Verdacht in Hamburg ist eine Frage legitim: Welche Sicherheitslücken gibt es speziell in BSL-4-Laboren? Die Antwort darauf fällt ernüchternd aus.
Denn obwohl BSL-4-Labore die höchsten Sicherheitsstandards aufweisen, gibt es dennoch einige potenzielle Sicherheitslücken, die berücksichtigt werden müssen:
Menschliches Versagen
Der Faktor Mensch stellt eine der größten Sicherheitsrisiken dar:
– Schätzungen zufolge werden 67-80% der Vorfälle in Hochsicherheitslaboren durch menschliche Fehler verursacht[3].
– Unachtsamkeit, Regelverstöße oder Unfälle können trotz strenger Protokolle vorkommen[1].
– Mangelnde Schulung oder Erfahrung des Personals kann zu Fehlern führen[2].
Technische Mängel
Auch die hochentwickelte Technik kann versagen:
– Defekte oder Störungen an Filtersystemen, Druckregulierungen oder anderen Sicherheitseinrichtungen sind möglich[1].
– Unvollständige Dekontamination von Materialien oder Proben kann zu Kontaminationen führen[2].
Insider-Bedrohung
Ein ernsthaftes Risiko stellen Mitarbeiter mit böswilligen Absichten dar:
– Absichtliche Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen oder Entwendung von Erregern ist möglich[1].
– Der Fall des Mikrobiologen Bruce Edwards Ivins, der verdächtigt wurde, die Anthrax-Anschläge 2001 verübt zu haben, zeigt diese Gefahr auf[1].
Unvollständige Inaktivierung
Es gab Fälle, in denen vermeintlich inaktivierte Erreger noch infektiös waren:
– Dies kann zu unbeabsichtigten Freisetzungen führen[1].
– Zwischen 2003 und 2015 gab es mindestens 21 Fälle unvollständiger Deaktivierung hochriskanter Krankheitserreger in den USA[3].
Komplexität der Systeme
Die Vielzahl an Sicherheitsmaßnahmen macht die Labore sehr komplex:
– Je komplexer ein System, desto anfälliger ist es potenziell für Störungen oder Schwachstellen[1].
– Das Zusammenspiel verschiedener Sicherheitssysteme muss reibungslos funktionieren[5].
Begrenzte Ressourcen
Nicht alle Labore verfügen über die gleichen Mittel:
– Finanzielle und personelle Ressourcen können die dauerhafte Gewährleistung höchster Sicherheitsstandards beeinträchtigen[1].
Trotz dieser potenziellen Schwachstellen bieten BSL-4-Labore ein sehr hohes Schutzniveau. Kontinuierliche Verbesserungen der Sicherheitsmaßnahmen, regelmäßige Schulungen des Personals und strenge Kontrollen sind nötig, um die Risiken zu minimieren.
Quellen:
[1] BSL-3 BSL-4 Transfer Risikobewertung – Getinge https://www.getinge.com/de/news-und-events/klinische-einblicke/forschungslabore/die-3-hauptursachen-der-kreuzkontamination-in-biosicherheitseinrichtungen/
[2] Fünf Faktoren für einen sicheren Materialtransfer in BSL-3 – Getinge https://www.getinge.com/de/news-und-events/klinische-einblicke/forschungslabore/5-factors-for-safe-material-transfer-in-bsl-3-and-bsl-4-facilities/
[3] Risikofaktor Forschung: Wenn Viren aus dem Labor entkommen https://www.spektrum.de/news/risiken-in-der-virenforschung/1727156
[4] BSL-4 Labor – Hamburg – Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin https://www.bnitm.de/forschung/infrastrukturen/bsl-4-labor
[5] BSL-4-Labore: sicher ist sicher https://www.medica.de/de/lab-diagnostics/BSL-4-Labore_sicher_ist_sicher
[6] Hochsicherheitslabor https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7122995/
[7] Biologische Schutzstufe – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Biologische_Schutzstufe

