Mehr als 6 Millionen Kinder in Amerika sind mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert worden. Eine neue Studie unter Mitwirkung der University of Missouri hat nun einen bemerkenswerten Zusammenhang aufgedeckt: Jugendliche mit ADHS, die keine Medikamente einnehmen, leiden nicht nur deutlich häufiger an Fettleibigkeit, sondern neigen auch dazu, die empfohlene Bildschirmzeit zu überschreiten und wichtige Schlafrichtlinien nicht einzuhalten.
Crystal Lim von Mizzou, außerordentliche Professorin am College of Health Sciences, und andere Forscher analysierten die Ergebnisse einer landesweit repräsentativen Umfrage, an der Zehntausende Jugendliche im Alter zwischen 11 und 17 Jahren teilnahmen. Eltern von drei Gruppen – diejenigen ohne ADHS, diejenigen mit ADHS unter Medikamenteneinnahme und diejenigen mit ADHS ohne Medikamente – wurden gefragt, wie viel Schlaf, Bildschirmzeit und Bewegung ihre Kinder täglich bekamen.
Lim und das Forschungsteam kamen zu dem Schluss, dass mehr Schlaf und eine Begrenzung der Bildschirmzeit zwar für alle Kinder gesunde Verhaltensweisen sind, dass es jedoch für unbehandelte Jugendliche mit ADHS besonders hilfreich sein kann, diesen beiden Zielen Priorität einzuräumen, da in dieser Gruppe eine höhere Prävalenz von Fettleibigkeit vorliegt.
Lim fügte hinzu, dass häufig verwendete Stimulanzien zur Behandlung von ADHS wie Adderall zwar als Nebenwirkung Appetitlosigkeit hervorrufen könnten, dass aber nicht alle ADHS-Medikamente Stimulanzien seien und Medikamente nur ein kleiner Teil des Puzzles seien.
„Wenn manche Familien nicht so sehr an Medikamenten interessiert sind, kann die Identifizierung des Schlafs als ein wichtiges Gesundheitsverhalten, das verbessert werden soll, dazu beitragen, das Fettleibigkeitsrisiko zu senken“, sagte Lim. „Als klinischer Psychologe treffe ich mich regelmäßig mit Familien und gebe ihnen evidenzbasierte Strategien für die Schaffung langfristiger, gesunder Verhaltensänderungen, einschließlich Zielsetzung, Überwachung des Fortschritts des Gesundheitsverhaltens und Vorbildfunktion der Eltern.“
