Eine klinische Studie belegt, dass eine gezielte Bisskorrektur bei Patienten mit okklusomuskulären temporomandibulären Störungen (TMD) den Speichel-Cortisolspiegel – einen objektiven Marker für physiologischen Stress – signifikant senkt. Die Ergebnisse erschienen im Journal of Prosthetic Dentistry.
Bei 30 Patienten mit okklusomuskulärer TMD wurde vor und einen Monat nach Disclusion Time Reduction (DTR)-Therapie der Cortisolspiegel gemessen. Die computergeführte Bisskorrektur reduziert die Disclusion-Zeit – die Dauer des Zahnkontakts bei Kieferbewegungen – von über zwei Sekunden auf etwa 0,28 Sekunden und senkt damit die abnorme Muskelaktivität.
Der durchschnittliche Cortisolwert fiel von 11,43 ng/mL vor der Behandlung auf 6,57 ng/mL danach – eine Reduktion um 42 Prozent. Parallel dazu nahmen die Muskelaktivitäten der Kaumuskeln (Temporalis und Masseter) deutlich ab.
Die Behandlung erfolgte ausschließlich über präzise, computerunterstützte Okklusionsanpassung mit dem T-Scan 10 Novus-System (Tekscan) synchronisiert mit Oberflächen-Elektromyographie (BioEMG III). Es kamen keine Schienen, Botox, TENS, Medikamente oder Ernährungsmaßnahmen zum Einsatz.
TMD betrifft Schätzungen zufolge 5 bis 12 Prozent der Bevölkerung und äußert sich häufig in Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen, Kieferknacken und Muskelverspannungen. Stress wird seit Langem mit den Symptomen in Verbindung gebracht, doch der umgekehrte Zusammenhang – dass eine optimierte Bissfunktion den Stresshaushalt beeinflusst – war bisher wenig untersucht.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Korrektur biomechanischer Fehlbelastungen im Kieferbereich neuromuskuläre Stresswege moduliert und systemische Stressreaktionen dämpft. Dies könnte die Rolle der oralen Neuro- und Biomechanik bei der Stressregulation neu beleuchten.
Co-Autor Dr. Robert Kerstein, ehemaliger Professor für Prothetik an der Tufts University und Pionier der computerunterstützten Okklusionsanalyse, sieht darin einen Beleg für die kausale Behandlung von Bissbedingten Beschwerden statt symptomorientierter Maßnahmen.
Die Studie unterstreicht den Zusammenhang zwischen dentaler Funktion, neuromuskulärer Aktivität und systemischem Stress.
