Berlin (LabNews.io) – Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) hat das kürzlich veröffentlichte Positionspapier des Wissenschaftsrats „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“ scharf kritisiert. In einer am 12. März 2026 veröffentlichten Stellungnahme begrüßt das Netzwerk zwar die wissenschaftspolitische Aufmerksamkeit für Prävention und Gesundheitsförderung, sieht jedoch erhebliche methodische und inhaltliche Defizite.
Das Positionspapier betone wiederholt die Bedeutung von Evidenz für gesundheitspolitische Entscheidungen, ohne jedoch klar zu benennen, welche wissenschaftlichen Standards erfüllt sein müssen, damit Maßnahmen tatsächlich als evidenzbasiert gelten können. Viele Empfehlungen setzten auf die verstärkte Nutzung routinemäßig erhobener Gesundheitsdaten, Kohortenstudien oder Daten aus digitalen Anwendungen und Wearables. Solche Datenquellen könnten jedoch keinen Ersatz für den systematischen Nachweis von Wirksamkeit, Sicherheit und Kostenwirksamkeit durch vergleichende, idealerweise randomisierte kontrollierte Studien darstellen.
Das EbM-Netzwerk fordert, unerwünschte Wirkungen präventiver Maßnahmen – etwa psychische Belastungen durch falsch-positive Befunde, Nebenwirkungen präventiver Medikamente oder Eingriffe in individuelle Lebensentscheidungen – stärker in den Blick zu nehmen. Vor breiter Umsetzung müssten Nutzen und Schaden sorgfältig abgewogen werden.
Insgesamt komme das Papier dem selbstgesteckten Anspruch, die Evidenzbasierung von Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken, nur unzureichend nach. Das Netzwerk fordert für künftige Empfehlungen transparente Methoden bei der Literaturauswahl und Bewertung präventiver Maßnahmen sowie eine konsequente Umsetzung evidenzbasierter Kriterien. Nur so könnten präventive Interventionen ihren potenziellen Nutzen entfalten.
Die vollständige Stellungnahme ist auf der Website des EbM-Netzwerks verfügbar. (LabNews.io)
