Cleveland (LabNews.io) – Viele Patienten, die Semaglutid oder Tirzepatid zur Behandlung von Adipositas oder Typ-2-Diabetes absetzen, nehmen im realen Versorgungsalltag nicht signifikant an Gewicht zu. Das zeigt eine retrospektive Analyse von fast 8.000 Patienten der Cleveland Clinic, die in der Fachzeitschrift Diabetes, Obesity and Metabolism erschienen ist.
Die Studie umfasste Erwachsene in Ohio und Florida, die die injizierbaren GLP-1-Medikamente drei bis zwölf Monate lang eingenommen und dann abgesetzt hatten. In der Adipositas-Gruppe verloren die Patienten vor dem Absetzen durchschnittlich 8,4 Prozent ihres Körpergewichts und nahmen im Folgejahr im Mittel nur 0,5 Prozent wieder zu. In der Diabetes-Gruppe betrug der Gewichtsverlust vor Absetzen 4,4 Prozent; im Folgejahr nahmen sie sogar zusätzlich 1,3 Prozent ab.
Insgesamt gewannen 55 Prozent der Adipositas-Patienten im Jahr nach Absetzen an Gewicht, 45 Prozent hielten ihr Gewicht oder verloren weiter. In der Diabetes-Gruppe nahmen 44 Prozent zu, 56 Prozent blieben stabil oder nahmen ab. Die Forscher führen die geringere Gewichtszunahme im Vergleich zu randomisierten Studien darauf zurück, dass viele Patienten die Therapie wieder aufnahmen oder auf andere Adipositas-Behandlungen umstiegen: 27 Prozent wechselten zu einem anderen Medikament, 20 Prozent nahmen das ursprüngliche Präparat erneut ein, 14 Prozent setzten auf Lebensstilmaßnahmen mit professioneller Begleitung.
Die Hauptgründe für das Absetzen waren Kosten bzw. fehlende Kostenübernahme sowie Nebenwirkungen, wobei finanzielle Aspekte dominierten. Patienten mit Diabetes nahmen die Medikamente häufiger wieder ein – vermutlich wegen besserer Versicherungsdeckung bei dieser Indikation.
Die Autoren um Hamlet Gasoyan betonen, dass die Ergebnisse die Bedeutung individualisierter, kontinuierlicher Unterstützung unterstreichen – auch nach Absetzen der Medikation. Viele Patienten gäben ihre Adipositas-Behandlung nicht auf, sondern suchten alternative Wege. Zukünftige Analysen sollen die Wirksamkeit dieser Alternativen vergleichen, um Patienten und Ärzten fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Die Studie liefert wichtige Einblicke in die reale Versorgungspraxis und ergänzt Erkenntnisse aus kontrollierten klinischen Studien. (LabNews.io)
