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Spezialisierte Eltern-Säugling-Psychotherapie wirkt bei hochbelasteten Müttern besonders effektiv

Psychische Erkrankungen in den ersten Lebensjahren des Kindes betreffen etwa 15 bis 20 Prozent aller Mütter und können die frühe Eltern-Kind-Bindung erheblich beeinträchtigen. Eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie im Rahmen des multizentrischen Projekts SKKIPPI belegt nun, dass die fokussierte Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie (ESKP-f) im Kurzzeitsetting bei Müttern mit sehr hoher psychischer Belastung der regulären Versorgung überlegen ist. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health erschienen.

Das von der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) Berlin federführend koordinierte Projekt „Evaluation der Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie durch Prävalenz- und Interventionsstudien“ (SKKIPPI) untersuchte 120 Mutter-Kind-Paare mit diagnostizierten mütterlichen psychischen Störungen. Die Teilnehmerinnen wurden randomisiert entweder der ESKP-f-Gruppe (12 Sitzungen über sechs Wochen) oder der Kontrollgruppe mit regulärer Gesundheitsversorgung („Care as Usual“) zugeteilt.

Primäres Ziel war die Verbesserung der mütterlichen Feinfühligkeit als zentrale Voraussetzung für die gesunde emotionale Entwicklung des Säuglings. In beiden Gruppen zeigten sich Verbesserungen der Interaktionsqualität und der mütterlichen Symptomatik. Der entscheidende Vorteil der ESKP-f trat jedoch in der Hochrisikogruppe mit besonders starker Symptombelastung zutage: Hier übertraf die spezialisierte Kurzzeit-Intervention die Effekte der Standardversorgung signifikant.

Die Studie unterstreicht damit die Potenziale einer gezielten, intensiven Frühintervention für schwerer belastete Familien. Gleichzeitig verdeutlichen hohe Abbruchquoten in beiden Gruppen die Herausforderungen der Behandlungskontinuität in der sensiblen Postpartum-Phase. Niedrigschwellige, flexible und möglichst aufsuchende Angebote seien essenziell, um betroffene Familien zu erreichen, betont Projektleiter Prof. Dr. Lars Kuchinke von der IPU Berlin.

Die fokussierte ESKP-f könne in psychotherapeutischen Ambulanzen, Kliniken und Praxen einen wichtigen Beitrag leisten, um langfristige Belastungen für Mutter und Kind frühzeitig abzufangen. Das Projekt SKKIPPI wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und zielt auf die evidenzbasierte Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung von Eltern und Kleinkindern in Deutschland.

Die Originalpublikation ist unter dem Titel „Efficacy of parent-infant psychotherapy with mothers with postpartum mental disorder: results from a randomized controlled trial“ erschienen (DOI: 10.1186/s13034-025-01013-0).

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