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Antikörper-Transfer von Mutter zu Kind:  Mechanismen und Störfaktoren in der Schwangerschaft

Der Transport mütterlicher Immunglobuline G (IgG) über die Plazenta zum ungeborenen Kind ist entscheidend für den Immunschutz des Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten. Britische Wissenschaftler haben in einer umfassenden Review die biologischen Mechanismen dieses Prozesses, mögliche Beeinträchtigungen durch Schwangerschaftsbedingungen sowie aktuelle experimentelle Modelle analysiert.

Der neonatale Fc-Rezeptor (FcRn) gilt als zentraler Transporter für IgG über die Plazentaschranke, wie die Autoren um Qiqi Li und Zhengyuan Huang vom Imperial College London betonen. Der Transfer beginnt bereits in der 8.–10. Schwangerschaftswoche und erreicht im dritten Trimester seine höchste Rate. Bei reifen Neugeborenen liegen die IgG-Spiegel im Nabelschnurblut meist deutlich höher als bei der Mutter. Frühgeborene – insbesondere vor der 32. Woche – erhalten jedoch deutlich weniger Antikörper und sind dadurch anfälliger für Infektionen.

Die Review identifiziert mehrere Störfaktoren: Bei Hypergammaglobulinämie (stark erhöhte mütterliche IgG-Spiegel, z. B. durch chronische Infektionen wie HIV, Malaria oder Autoimmunerkrankungen) sättigt sich der FcRn-Rezeptor, wodurch der Transfer effizienter Antikörper abnimmt. Auch Hyperglykämie (z. B. bei Gestationsdiabetes), pathogene mütterliche Antikörper (wie beim Antiphospholipid-Syndrom) sowie Infektionen (einschließlich SARS-CoV-2) können den Prozess beeinträchtigen. Der Zeitpunkt maternaler Impfungen – etwa gegen Pertussis, RSV oder Covid-19 – ist entscheidend, um einen optimalen Antikörper-Transfer zu gewährleisten.

Die Autoren fordern intensivere Forschung zu Modellen wie humanisierten Mäusen, Ex-vivo-Plazentapräparaten und Organoiden, um offene Fragen zu klären und Impfstrategien für Schwangere gezielter zu optimieren.

Die Übersichtsarbeit erschien am 6. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Antibodies (Band 15, Ausgabe 1, Artikel 14).

Originalquelle: https://doi.org/10.3390/antib15010014 (Open Access bei MDPI)