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Aktualisierte S2k-Leitlinie COPD 2026: Frühere Diagnostik und gezieltere Therapie im Fokus

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat die überarbeitete S2k-Leitlinie „Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)“ für das Jahr 2026 veröffentlicht. Unter Federführung der DGP und Beteiligung von mehr als 30 Expertinnen und Experten sowie zahlreichen Fachgesellschaften wurden in einem mehr als zweijährigen Prozess die neuesten evidenzbasierten Erkenntnisse integriert.

Die Leitlinie ergänzt die Nationale Versorgungsleitlinie COPD und legt besonderen Wert auf eine frühere und präzisere Diagnostik sowie eine effektivere Therapie. „Frühe Intervention ist entscheidend“, betonte DGP-Präsident Professor Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen. Die alleinige Spirometrie erkenne frühe Veränderungen oft zu spät; eine erweiterte pneumologische Funktionsdiagnostik und die Computertomografie des Thorax (CT-Thorax) bieten hier entscheidenden Mehrwert – insbesondere bei Diskrepanz zwischen Symptomen und Spirometrie oder bei häufigen Exazerbationen.

Bei klinischem Verdacht auf COPD und normaler Spirometrie wird nun eine Bodyplethysmografie zur Bestimmung von Lungenvolumina, Atemwegswiderständen und Gasaustausch empfohlen. Die CT-Thorax gewinnt zudem im Kontext des geplanten Lungenkarzinom-Screenings und zur Abklärung struktureller Veränderungen an Bedeutung. Neu aufgenommen wurden Kapitel zu Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AAT-Mangel) und Biomarkern: Ein einmaliges Screening auf AAT-Mangel wird stark empfohlen, da dieser eine der häufigsten nicht erkannten Ursachen darstellt. Das Differentialblutbild soll routinemäßig bestimmt werden.

Die Risikogruppen orientieren sich an den internationalen GOLD-Klassifikationen. In der Initialtherapie wird für die GOLD-Gruppe B eine duale Bronchodilatation (LAMA/LABA) priorisiert; eine alleinige ICS/LABA-Therapie wird nicht mehr empfohlen. Bei persistierenden Exazerbationen unter Triple-Therapie (LAMA/LABA/ICS) ist eine Reevaluation mit Biomarkern und CT-Thorax vorgesehen. Therapieeskalationen mit Azithromycin, Roflumilast oder Biologika sollen fachärztlich geprüft werden. Jede Exazerbation – auch leichte – soll konsequent behandelt werden, um Krankenhauseinweisungen zu vermeiden.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen erhalten hohen Stellenwert: Rauchstopp-Programme, pneumologische Rehabilitation, aktualisierte Impfempfehlungen (Influenza, Pneumokokken, RSV) sowie die Abklärung kardiovaskulärer Risiken, da COPD ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall ist. Bei fortgeschrittener COPD werden Empfehlungen zu interventioneller oder chirurgischer Lungenvolumenreduktion und Lungentransplantation gegeben.

Die Leitlinie soll als „Living Guideline“ dynamisch weiterentwickelt werden, um aktuelle Forschungsergebnisse rasch umzusetzen. „Bessere Phänotypisierung, Lungenkrebs-Screening und null Toleranz für Exazerbationen“ – so fassten die Koordinatorinnen und Koordinatoren Professorin Kathrin Kahnert (München) und Professor Henrik Watz (Lübeck) die wesentlichen Neuerungen zusammen.

Die Leitlinie ist bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) abrufbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-006. Die Inhalte werden auf dem DGP-Kongress im März 2026 in mehreren Sitzungen vertieft vorgestellt.

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