Deutschlands führende Schmerz- und Fachgesellschaften warnen vor massiven Einschnitten in der stationären Behandlung chronischer Schmerzen durch die geplante Krankenhausreform. In einem gemeinsamen Brandbrief fordern die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), der Berufsverband der Schmerztherapeuten Deutschlands (BVSD), die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Interdisziplinäre Gesellschaft für Schmerztherapie (IGOST) die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), sich für die Aufnahme einer eigenständigen Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ einzusetzen. Ohne diese drohten bis zu 40 Prozent der multimodalen stationären Schmerztherapie-Angebote zu schließen – mit dramatischen Folgen für rund 4,8 Millionen schwer betroffene Patientinnen und Patienten.
Die derzeitige Systematik der Leistungsgruppen zwinge schmerzmedizinische Abteilungen, Kriterien fachfremder Bereiche wie Innere Medizin oder Chirurgie zu erfüllen. Das sei medizinisch nicht sinnvoll und wirtschaftlich nicht tragfähig. Erste Abteilungen hätten bereits geschlossen oder stünden vor der Schließung. Die Fachgesellschaften betonen, eine eigene Leistungsgruppe mit bereits etablierten Qualitätskriterien könne sofort bundesweit umgesetzt werden. Sie schaffe Planungssicherheit für Länder und Kliniken, reduziere Folgekosten und sichere die langfristige Versorgung chronisch Schmerzkranker.
Dr. Richard Ibrahim, Präsident der DGS, erklärte, der Brandbrief sei nur der Auftakt. Die Fachgesellschaften wollten das Thema bundesweit weiter vorantreiben und den Dialog mit der Bundespolitik suchen – insbesondere auf den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen vom 19. bis 21. März 2026 in Frankfurt/Main. Unter dem Motto „Stabilität in unsicheren Zeiten: Ambulant, teilstationär, stationär“ erwarteten die Veranstalter über 2.000 Fachleute in mehr als 90 Sessions zu Themen wie Prävention und Therapie chronischer Schmerzen, Cannabinoide und Opioide, Palliativversorgung, KI-Anwendungen sowie Gesundheitspolitik. Bislang habe jedoch noch kein Vertreter der Bundesregierung die Einladung angenommen.
Die DGS mit 4.035 Mitgliedern, 15 Landes- und 121 Regionalzentren gilt als führende Fachgesellschaft für die Versorgung chronisch Schmerzkranker. Sie fördert interdisziplinären Austausch, praxisnahe Fortbildungen und innovative Versorgungsmodelle. Die Schmerz- und Palliativtage finden im Congress Center Messe Frankfurt statt. Pressevertreter sind willkommen; Akkreditierung ist über dgschmerzmedizin@b2-berlin.de möglich. Eine Pressekonferenz ist für den 19. März 2026 um 13 Uhr geplant.
Programm und weitere Details unter www.dgschmerzmedizin.de/kongresse/deutsche-schmerz-und-palliativtage/.
