Neue Belege aus alter DNA (aDNA) legen nahe, dass Krankheiten, die eng mit Syphilis verwandt sind, bereits vor mehr als 5000 Jahren existierten – und dass ein naher Verwandter der Krankheit seinen Ursprung wahrscheinlich in Amerika hatte, nicht in Europa. Das berichten Anthropologin Molly Zuckerman und ihre Doktorandin Lydia Bailey von der Mississippi State University in einem Kommentar, der am 19. Februar 2026 in Science erschien.
Die Forscherinnen stützen sich auf jüngste paläogenomische Funde aus Kolumbien und Mexiko. Diese Entdeckungen verändern langjährige Debatten über die Herkunft und Evolution von Treponema pallidum – dem Erreger der Syphilis – und verwandten Treponematosen wie Frambösie und Bejel. Bislang galt die These, dass Syphilis mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus nach Europa gelangte („Kolumbianische Hypothese“). Die neuen aDNA-Daten deuten jedoch darauf hin, dass Treponema-Arten bereits lange vor der europäischen Expansion in präkolumbischen Populationen Amerikas zirkulierten.
„Die Ergebnisse rücken uns ein Stück näher an das Verständnis der Ursprünge und Anpassungsfähigkeit einer Krankheit, die derzeit in den USA und weltweit wieder stark zunimmt“, sagte Molly Zuckerman. „Das hat Implikationen für mögliche künftige Veränderungen des Erregers.“
Zuckerman betonte zudem den persönlichen Aspekt: Ihre eigene wissenschaftliche Laufbahn wurde durch die Einbindung in Syphilis-Forschung während des Studiums geprägt. Die Beteiligung ihrer Schülerin Lydia Bailey an der aktuellen Arbeit sehe sie als Möglichkeit, dieses Mentoring weiterzugeben.
Bailey, Masterstudentin der angewandten Anthropologie, erklärte, die Untersuchung von Infektionskrankheiten in „deep time“ zeige, wie menschliche Mobilität, Umwelt und Verhalten die Ausbreitung von Krankheiten über Jahrtausende hinweg geformt haben. Die Veröffentlichung in Science biete die Chance, diese Erkenntnisse über die Anthropologie hinaus in öffentliche Debatten zu tragen, um Stigmatisierung von Infektionskrankheiten abzubauen und evidenzbasierte Gesundheitspolitik zu fördern.
Die Arbeit erschien unter dem Titel „Uncovering the secrets of syphilis“ (DOI: 10.1126/science.aee7963). Sie wurde unter anderem von der National Science Foundation der USA gefördert.
