Ein von gestressten Krebszellen produziertes Protein ermöglicht es Tumoren der Lunge und der Bauchspeicheldrüse, sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Forscher des NYU Langone Health Systems haben in einer Studie gezeigt, dass die Blockade dieses Proteins das Tumorwachstum in Mäusen bremst und die Wirksamkeit von Immuntherapien steigert.
Das Protein Lipocalin 2 (LCN2) wird über den integrierten Stressantwortweg (ISR) in Krebszellen aktiviert, der unter Nährstoffmangel und anderem Stress hochgefahren wird. Der Transkriptionsfaktor ATF4 löst die Produktion von LCN2 aus, das außerhalb der Zelle freigesetzt wird und Makrophagen im Tumormikroumfeld in einen immunsuppressiven Zustand versetzt. Dadurch können tumorzerstörende T-Zellen nicht effektiv in den Tumor eindringen.
In Experimenten mit Mäusen, denen LCN2 fehlte oder durch Antikörper blockiert wurde, verlangsamte sich das Tumorwachstum deutlich – allerdings nur bei intaktem Immunsystem. Die Kombination aus LCN2-Blockade und bestehenden Immuntherapien führte zu einer stärkeren Tumorinfiltration durch T-Zellen und zu einer Verlängerung des Überlebens bei aggressiven Lungenkrebsmodellen.
Analysen von Tumorgewebeproben von über 100 Lungen- und 30 Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten ergaben, dass hohe LCN2-Werte mit einer kürzeren medianen Überlebenszeit assoziiert waren (52 Monate gegenüber 79 Monaten bei niedrigen Werten).
Die Ergebnisse begründen nach Einschätzung der Autoren die Entwicklung von LCN2-gerichteten Therapien, insbesondere für Lungenkrebs, und regen Untersuchungen an, ob der Mechanismus auch bei anderen immunresistenten Krebsarten eine Rolle spielt. LCN2 sei als extrazelluläres Protein leichter angreifbar als intrazelluläre Komponenten wie ATF4.
Die Studie wurde am 18. Februar 2026 online im Fachjournal Nature veröffentlicht. Sie gilt als wichtiger Beitrag zum Verständnis von Immun-Evasionsmechanismen in stressbelasteten Tumoren, birgt aber noch keine unmittelbaren klinischen Konsequenzen, da die getesteten Antikörper noch präklinisch sind. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Übertragbarkeit auf den Menschen und mögliche Nebenwirkungen zu klären.
