Zum Inhalt springen
Home » FSME: Experten warnen vor steigender Gefahr

FSME: Experten warnen vor steigender Gefahr

Die Zahl der FSME-Erkrankungen in Deutschland hat 2025 voraussichtlich den Rekordwert des Vorjahres übertroffen. Das teilte das Nationale Konsiliarlabor für FSME mit. Bislang sind 693 gesicherte Fälle registriert, hinzu kommen rund 100 noch zu prüfende Verdachtsfälle. 2024 wurden 695 Erkrankungen gemeldet – damals bereits eines der höchsten jemals erfassten Jahresergebnisse.

Prof. Dr. Gerhard Dobler, Leiter des nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, und Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim stellten die Entwicklung auf einer Pressekonferenz vor. Beide berufen sich auf 25 Jahre FSME-Statistik und aktuelle Beobachtungen. Die höchsten Meldungszahlen entfallen weiterhin auf Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 80 Prozent der Fälle. Ein Anstiegstrend zeichne sich jedoch in allen Bundesländern ab.

Die Expertin und der Experte rechnen mit weiter steigenden Fallzahlen in den kommenden Jahren. Seit 2016 folgten keine Phasen mit niedrigen Zahlen mehr auf hohe Werte – stattdessen liegen die Meldungen durchgängig bei 400 bis 500 Fällen pro Jahr. Als wesentlichen Treiber nennen sie den Klimawandel: Wärmere Temperaturen ermöglichen Zecken, in kühlere Regionen im Norden und in höhere Lagen vorzudringen. Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, überleben mehr Frosttage und verursachen bereits im Frühjahr einen ersten Peak an FSME-Meldungen.

Das Infektionsrisiko für Ungeimpfte hat sich deutlich erhöht. Nur Personen mit Antikörpern – durch Impfung oder durchgemachte Infektion – sind geschützt. Als Beispiel nannten die Fachleute den Landkreis Passau: Dort weisen etwa 80 Prozent der Bevölkerung Antikörper auf, dennoch steigen die Erkrankungszahlen weiter. Mackenstedt und Dobler raten dringend zur FSME-Impfung und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen.

Die Aussagen fielen im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses, der am 23. Februar 2026 an der Universität Hohenheim beginnt. Das FSME-Virus wird vor allem durch den gemeinen Holzbock und die Auwaldzecke übertragen. In Risikogebieten liegt die Infektionswahrscheinlichkeit nach einem Zeckenstich bei etwa 1:50 bis 1:100. Nach 3 bis 8 Tagen treten grippeähnliche Symptome auf, bei etwa einem Drittel der Betroffenen folgt eine zweite Krankheitsphase mit neurologischen Beschwerden bis hin zu Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen oder epileptischen Anfällen. Rund ein Prozent der Fälle verläuft tödlich. Eine kausale Therapie gibt es nicht, Schutz bietet ausschließlich die Impfung.

Schlagwörter: