Eli Lilly and Company hat positive Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studie LIBRETTO-432 zu Retevmo (Selpercatinib) als adjuvante Therapie bei frühem RET-fusionspositivem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) bekannt gegeben. Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt und zeigte eine hochsignifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung des ereignisfreien Überlebens (EFS) im Vergleich zu Placebo.
In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 151 Patienten mit Stadium II-IIIA RET-fusionspositivem NSCLC nach abgeschlossener kurativer Operation oder Strahlentherapie und ggf. weiterer adjuvanter Therapie reduzierte Selpercatinib das Risiko für Krankheitsrezidiv oder Tod statistisch hochsignifikant. Die Gesamtüberlebensdaten (OS) zeigten einen Trend zugunsten von Selpercatinib, waren zum Zeitpunkt der Analyse jedoch noch unreif mit wenigen Ereignissen. Das Sicherheitsprofil entsprach weitgehend den bisherigen Studien mit Selpercatinib.
Detaillierte Ergebnisse sollen auf einem kommenden medizinischen Kongress vorgestellt, in einer peer-reviewed Fachzeitschrift publiziert und mit Zulassungsbehörden weltweit besprochen werden.
LIBRETTO-432 ist die erste und bislang einzige randomisierte Phase-3-Studie, die einen selektiven RET-Kinase-Inhibitor in der adjuvanten Situation bei dieser Patientengruppe untersucht hat. NSCLC macht etwa 85 Prozent aller Lungenkrebsdiagnosen in den USA aus, rund 30 Prozent der Patienten präsentieren sich im Stadium IB-IIIA. RET-Fusionen treten in etwa 1 bis 2 Prozent aller NSCLC-Fälle auf.
Jacob Van Naarden, Executive Vice President und Präsident von Lilly Oncology, betonte, dass zielgerichtete Therapien den größten Nutzen entfalten, wenn sie früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Die Ergebnisse unterstützten diese Beobachtung und zeigten eine Effektstärke, die zu den markantesten Daten adjuvanter zielgerichteter Therapien beim Lungenkrebs gehöre. Die Resultate sollten die Nutzung genomischer Testung bei allen Patienten mit früherkranktem NSCLC weiter beschleunigen.
Objektive Bewertung: Die Ergebnisse von LIBRETTO-432 sind aus wissenschaftlicher Sicht sehr positiv und potenziell praxisverändernd. Sie bestätigen die Wirksamkeit von Selpercatinib in einer frühen Krankheitsphase und ergänzen die bereits etablierten Daten zur Behandlung fortgeschrittener RET-fusionspositiver NSCLC. Die hochsignifikante Verbesserung des EFS bei einem selektiven RET-Inhibitor in der adjuvanten Situation ist ein wichtiger Fortschritt, da adjuvante Optionen in dieser molekularen Subgruppe bislang fehlten. Die unreifen OS-Daten und die bekannte Toxizitätsprofile (einschließlich Hepatotoxizität, Hypertonie, QT-Verlängerung und interstitieller Lungenerkrankung) erfordern jedoch eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung in der klinischen Praxis. Ob und wann eine Zulassungserweiterung erfolgt, hängt von den vollständigen Daten und den Bewertungen der Zulassungsbehörden ab. Die Ergebnisse unterstreichen erneut die zentrale Bedeutung einer umfassenden molekularen Diagnostik bereits bei der Erstdiagnose von Lungenkrebs.
