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Europäische Life-Sciences-Koalition gestartet: Mehr privates und öffentliches Kapital für Biotech-VC

Die European Life Sciences Coalition (ELSC) ist gestartet, um das europäische Ökosystem für Life-Sciences-Venture-Capital (VC) zu stärken. Die Initiative, die in Zusammenarbeit mit Invest Europe entstand, vereint führende europäische Life-Sciences-VC-Firmen, Forschungseinrichtungen und weitere Akteure der Wertschöpfungskette. Gemeinsam verwalten die Mitglieder mehr als 24 Milliarden Euro in Life-Sciences-spezifischen Assets und haben über 1.400 Biotech- und Life-Sciences-Unternehmen mitbegründet oder finanziert.

Trotz exzellenter wissenschaftlicher Grundlagen und Talente gelingt es Europa nicht ausreichend, Innovationen in der Life-Sciences-Branche zu skalieren und zu halten. Fragmentierte Kapitalmärkte, strukturelle Investitionsbarrieren, die Unterauslastung privater Ersparnisse, eine sinkende Zahl spezialisierter VC-Fonds und langsame, uneinheitliche Regulierungsprozesse behindern den Zugang zu Wachstumskapital. Die Folge: Europa kommt nur auf 7 Prozent des globalen Life-Sciences-VC-Marktes (USA: 63 Prozent, China: 14 Prozent). Von 67 EU-Biotech-Unternehmen, die in den vergangenen sechs Jahren an die Börse gingen, wählten 66 einen außerhalb der EU liegenden Handelsplatz.

Die Koalition sieht dringenden Handlungsbedarf, da der Sektor etwa 29 Millionen Arbeitsplätze in der EU sichert, die öffentliche Gesundheit stärkt und für die Entwicklung sowie Produktion lebenswichtiger Medikamente unverzichtbar ist. Ohne Gegenmaßnahmen droht eine fortschreitende Aushöhlung des europäischen Life-Sciences-VC-Ökosystems mit negativen Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum, Innovation und Patientenzugang.

Die ELSC will durch konstruktive Politikberatung und in enger Abstimmung mit Invest Europe – dem weltgrößten Verband privater Kapitalanbieter – eine effektivere Mobilisierung von Start-up- und Scale-up-Kapital sowie ein integrierteres, effizienteres Investitionsumfeld erreichen. Ziel ist nicht staatliche Subventionen, sondern eine grundlegende Umsteuerung der Kapitalallokation, damit Europa seine Erfindungen nicht nur macht, sondern auch finanziert, hochskaliert und behält.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Forbion, HealthCap, Novo Holdings, Omega Funds, Sofinnova Partners, Van Lanschot Kempen sowie das Flanders Institute for Biotechnology (VIB) und die Kanzleien Cooley und Covington & Burling.

Objektive Bewertung
Die Gründung der ELSC ist ein logischer und notwendiger Schritt angesichts der dokumentierten Schwächen des europäischen Biotech-Finanzierungsmarkts. Die Zahlen – nur 7 Prozent globaler VC-Anteil und fast vollständige Abwanderung von IPOs – sind alarmierend und werden durch unabhängige Quellen (EU-Kommission, Branchenanalysen) gestützt. Die Koalition vereint echte Marktteilnehmer mit hohem Kapitalvolumen und praktischer Erfahrung, was ihre politische Glaubwürdigkeit stärkt.

Kritisch bleibt jedoch, dass konkrete Forderungskataloge oder Zeitpläne in der Launch-Mitteilung fehlen; es handelt sich vorerst um eine Plattform zur Interessenvertretung. Der Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, fragmentierte nationale Interessen zu bündeln und greifbare Reformen (z. B. Kapitalmarktunion, steuerliche Anreize für VC, Harmonisierung regulatorischer Hürden) durchzusetzen. Die Abhängigkeit von politischem Willen in einer Zeit geopolitischer Unsicherheit und Haushaltsrestriktionen ist hoch. Dennoch: Die Initiative adressiert ein echtes strukturelles Problem und könnte – bei konsequenter Umsetzung – Europas Wettbewerbsfähigkeit in einem strategisch entscheidenden Sektor spürbar verbessern.

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