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KKH-Chef: Mehr KI gegen Betrug und Steuern statt Beiträge für versorgungsfremde Leistungen

Dr. Wolfgang Matz ist Vorstandsvorsitzender der KKH. Credits: KKH

In einem Exklusivinterview mit dem DGKL Informationsportal MedLabPortal hat sich der Vorstandsvorsitzende der KKH Kaufmännische Krankenkasse, Dr. Wolfgang Matz, über die aktuelle Lage der GKV, Abrechnungsbetrug und die Potenziale von KI geäußert. Danach meldete die KKH 2024 mit 5,4 Millionen Euro den höchsten Schaden durch Abrechnungsbetrug. Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Matz sieht Erfolge durch eine eigene Prüfgruppe und Hinweisgeber aus Behörden, Medien und Versicherten. Da Betrug meist mehrere Kassen betrifft, fordert er kassenübergreifende KI-Datenanalysen zur effektiveren Aufdeckung.

Die jährliche Fachtagung der KKH diskutiert Prävention und Rechtsfragen mit Experten und Behörden. Eine gesetzliche Grundlage für solche KI-Verfahren wurde erwartet, fiel jedoch nach dem Regierungswechsel Anfang 2025 weg. Das Dunkelfeld wird auf bis zu 20 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Matz kritisiert politisch verursachte Defizite der GKV: Ausgaben steigen schneller als Einnahmen, Reformen schränken Steuerung ein, Rücklagen wurden abgebaut. Die KKH schloss 2024 mit 189 Millionen Euro Minus ab – mitverursacht durch überdurchschnittlich viele chronisch Kranke. Den Zusatzbeitrag will die Kasse 2026 stabil halten.

Dr. Wolfgang Matz ist Vorstandsvorsitzender der KKH. Credits: KKH
Dr. Wolfgang Matz ist Vorstandsvorsitzender der KKH. Credits: KKH

Versorgungsfremde Leistungen wie die medizinische Versorgung von Bürgergeldbeziehern und Geflüchteten sollten nach Matz aus Steuermitteln finanziert werden. Das entlaste Gering- und Mittelverdiener und verteile Lasten gerechter.

Matz plädiert für Strukturreformen: konsequente Krankenhauskonzentration, Primärversorgung mit Hausarzt-Gatekeeping, bessere Notfallstrukturen sowie mehr Spielraum für Krankenkassen bei der aktiven Patientensteuerung. Ein Innovationsprojekt zeigte Erfolge bei der Vermeidung von Klinikeinweisungen.

Den Vorschlag einer Einheitskasse lehnt er ab: Wettbewerb fördere Innovation und Service. Verwaltungskosten sänken seit Jahren und lägen unter dem Niveau der PKV. Von Ministerin Warken erwartet er 2026 entschlossene Reformen statt neuer Kommissionen.

Das Interview finden Sie bei MedLabPortal an dieser Stelle.

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