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Warnung vor hochpotenter Designer-Droge Cychlorphin in Deutschland

Im Raum Karlsruhe ist seit Anfang Dezember 2025 eine neue synthetische Designer-Droge im Umlauf: Cychlorphin. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe und Fachleute warnen bundesweit vor der Substanz, die als hochpotentes synthetisches Opioid gilt und bereits in kleinen Mengen lebensbedrohliche Vergiftungen auslösen kann.

Cychlorphin zählt zu den neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) und ist seit Anfang Dezember dem NPS-Gesetz unterstellt. Handel, Inverkehrbringen, Verabreichen und Herstellen stehen unter Strafe. Laut Laborverbund LADR ist die Substanz 50- bis 200-mal stärker als Heroin. Sichere Daten zur Langzeitwirkung fehlen noch.

In Karlsruhe wurde Cychlorphin in zwei Urinproben von Patienten der Awo-Ambulanz sowie in einer sichergestellten Flasche nachgewiesen. Die Droge wird als farbloses E-Liquid angeboten. Patienten berichteten, sie hätten Proben zum Ablecken auf die Hand getropft bekommen; Konsumformen umfassen oral, inhalativ und intravenös. Sechs Patienten gaben an, die Substanz konsumiert zu haben – drei über mehrere Tage oder Wochen. Die Wirkung wurde als warmes, euphorisches Gefühl mit starkem „Nodden“ (Wegdösen) beschrieben. Die Verbreitung ging vermutlich von einem Mann aus.

Mitte Dezember verschickte die Awo eine Warnmeldung, nachdem Todesfälle in England bekannt geworden waren und die Wirkstärke zunächst nicht einschätzbar war. Bei der Karlsruher Polizei ist Cychlorphin bislang kein Thema. Seit Mitte Januar liegen der Awo keine neuen Berichte über Konsum mehr vor; toxikologische Untersuchungen zeigten ebenfalls keinen Nachweis.

Ähnliche Fälle gab es bereits: Das Universitätsklinikum Freiburg meldete Ende September 2025 einen schweren, beinahe tödlichen Vergiftungsfall nach Einnahme einer Cychlorphin-haltigen Tablette; die Person musste intensivmedizinisch behandelt werden. Das National Early Warning System (NEWS) des Instituts für Therapieforschung (IFT) in München stuft den Karlsruher Fall als ersten ein, bei dem Cychlorphin absichtlich in einer Gruppe – teils opioid-erfahrenen – Personen konsumiert wurde. Zudem kursieren gelbe Tabletten mit Cychlorphin, die mit mindestens einem Todesfall in Verbindung stehen.

Prof. Volker Auwärter, Leiter der Forensischen Toxikologie am Freiburger Universitätsklinikum, bezeichnet Cychlorphin als potentes Opioid, das schon in Mikrogramm-Bereich lebensbedrohlich wirken kann – im Gegensatz zu Benzodiazepinen. In Deutschland nimmt die Zahl tödlicher Zwischenfälle durch synthetische Opioide zu. Der Verein Condrobs warnt, dass einzelne Blotter (sechs mal sechs Millimeter große Papierfilze) bereits ausreichen, um eine lebensgefährliche Intoxikation auszulösen. Typische Überdosierungs-Symptome sind verlangsamte oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand.

Besonders gefährdet sind:

  • Personen ohne Opioid-Erfahrung, die die Droge für LSD halten,
  • Konsumenten von Blottern (Geruch, Geschmack und Aussehen geben keinen verlässlichen Hinweis),
  • Patienten in der Substitutionstherapie, die gefälschte Opioid-Präparate auf dem Schwarzmarkt erwerben.

Als Gegenmittel gilt Naloxon, allerdings sind bei hochpotenten Opioiden wie Cychlorphin oft mehrere Sprühstöße nötig. Fachleute fordern eine bessere Information von Rettungsdiensten und Notaufnahmen sowie den Ausbau von Drug-Checking-Angeboten, um neue Stoffe schnell zu erkennen.

Cychlorphin ist nur ein Beispiel: Durch Heroin-Verknappung auf dem Schwarzmarkt und globale Vertriebswege entstehen immer wieder neue synthetische Opioide. Der Laborverbund LADR meldet derzeit vermehrtes Auftreten von Methoxyacetylfentanyl, einem weiteren fentanylverwandten Stoff.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete am 6. Februar 2026 über die Warnung vor Cychlorphin.