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Antibiotika bei unkomplizierter Appendizitis: 10-Jahres-Follow-up bestätigt Wirksamkeit

Eine 10-Jahres-Nachbeobachtung der APPAC-Studie zeigt, dass Antibiotika bei unkomplizierter akuter Appendizitis bei Erwachsenen eine sichere Alternative zur Operation darstellen. Die kumulative Appendektomierate lag bei 44,3 Prozent, die echte Rezidivrate (histologisch gesicherte Appendizitis) bei 37,8 Prozent. Die Ergebnisse erschienen in JAMA.

In der multizentrischen randomisierten APPAC-Studie wurden 530 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahren mit computertomografisch gesicherter unkomplizierter akuter Appendizitis entweder operiert (n=273) oder mit Antibiotika behandelt (n=257). Die Antibiotikagruppe erhielt zunächst intravenös Ertapenem (1 g/Tag) für drei Tage, gefolgt von sieben Tagen oral Levofloxacin (500 mg 1× täglich) und Metronidazol (500 mg 3× täglich).

Bei der 10-Jahres-Nachbeobachtung (letzter Follow-up: 29. April 2024) standen Daten von 253 Patienten (98,4 Prozent) der Antibiotikagruppe zur Verfügung. Die kumulative Appendektomierate betrug 44,3 Prozent (95%-KI 38,2–50,4; 112/253). Davon erfolgten 15 Eingriffe während der primären Hospitalisierung, 70 im ersten Jahr, 30 zwischen Jahr 1 und 5 sowie 12 danach. Die echte Rezidivrate (transmurale neutrophile Infiltration in der Muskelschicht) lag bei 37,8 Prozent (95%-KI 31,6–44,1; 87/230). Insgesamt traten sechs komplizierte Appendizitiden auf, darunter zwei Appendix-Tumore, die bei der 10-Jahres-MRT entdeckt wurden.

Die Gesamtkomplikationsrate war in der Appendektomiegruppe mit 27,4 Prozent (95%-KI 21,6–33,3; 62/226) signifikant höher als in der Antibiotikagruppe mit 8,5 Prozent (95%-KI 4,8–12,1; 19/224; P<0,001). Die Lebensqualität (EQ-5D-5L) unterschied sich nicht zwischen den Gruppen (Median-Indexwert 1,0 in beiden; P=0,18). Patientenzufriedenheit war hoch: Die meisten würden die gewählte Therapie erneut wählen.

Bei 143 Patienten mit intaktem Appendix wurden 102 MRT-Untersuchungen durchgeführt. Kein Fall zeigte Entzündungszeichen. Fünf Patienten hatten MRT-Befunde mit Tumorverdacht (Klasse 3–5); zwei davon wurden operiert und zeigten Tumore. Die Tumorprävalenz war niedrig und mit früheren Studien vereinbar.

Die Studie bestätigt, dass Antibiotika eine Option für unkomplizierte akute Appendizitis bleiben. Die Rezidiv- und Operationsrate ist akzeptabel, Komplikationen sind deutlich geringer als bei primärer Appendektomie. Die langfristige Nachbeobachtung unterstreicht die Sicherheit des nichtoperativen Ansatzes, solange eine engmaschige Überwachung gewährleistet ist. Die Ergebnisse unterstützen eine individualisierte Therapieentscheidung unter Berücksichtigung von Patientenwunsch und Risikoprofil.

Die APPAC-Studie (ClinicalTrials.gov NCT01022567) gilt als eine der längsten randomisierten Nachbeobachtungen zu diesem Thema. Sie zeigt, dass der Großteil der Patienten langfristig ohne Operation auskommt, was den Trend zu konservativen Strategien bei unkomplizierter Appendizitis stärkt.

Salminen P, Salminen R, Kallio J, et al. Antibiotic Therapy for Uncomplicated Acute Appendicitis: Ten-Year Follow-Up of the APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online January 21, 2026. doi:10.1001/jama.2025.25921