Das Mpox-Virus zirkuliert in Teilen Nigerias offenbar weitgehend unbemerkt und ohne typische Symptome. Das zeigt eine neue Studie unter Leitung der University of Cambridge in Zusammenarbeit mit nigerianischen Partnern. Die Ergebnisse deuten auf eine untererkannte Übertragung hin und haben Auswirkungen auf die Kontrolle der Krankheit.
In der im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Untersuchung analysierten die Forscher archivierte Blutproben von 176 gesunden nigerianischen Erwachsenen, die zuvor an SARS-CoV-2-Impfstudien teilgenommen hatten. Darunter waren Gesundheitsarbeiter aus dem Jahr 2021 und Freiwillige aus der Bevölkerung aus 2023. Keiner der Teilnehmer hatte je eine Mpox- oder Pockenimpfung im Erwachsenenalter erhalten und es gab keine bekannten Expositionen gegenüber Mpox.
Mit einem hochauflösenden Multiplex-Antikörpertest maßen die Wissenschaftler Reaktionen auf sechs verschiedene Mpox-Antigene. Bei 24 Personen (14 Prozent) zeigten sich Antikörperprofile, die auf Restimmunität durch frühere Pockenimpfungen hinwiesen. Diese Reaktionen waren stärker und breiter bei Personen, die vor 1980 geboren wurden und wahrscheinlich in der Kindheit geimpft worden waren. Die Immunität hielt Jahrzehnte nach Ende der Pockenimpfkampagnen an.
Bei 153 Personen mit Folgeproben etwa neun Monate später zeigten fünf Teilnehmer (rund 3 Prozent) klare Anzeichen einer neuen Immunstimulation durch kürzliche Mpox-Exposition. Diese Personen hatten keine dokumentierte Mpox-Diagnose und berichteten keine passende Erkrankung. Die stärksten Antikörperanstiege richteten sich gegen spezifische virale Proteine wie B6R, A35R und M1R, die für schützende Immunreaktionen wichtig sind.
Die stärkste Antikörpersteigerung zeigte sich gegen bestimmte virale Proteine, die als wichtige Ziele schützender Immunreaktionen gelten. Genomische Analysen von über 100 Mpox-Genomsequenzen aus Nigeria zeigten langsames epidemisches Wachstum, häufige Übertragungstote und begrenzte Clusterbildung – ein Muster, das mit fortlaufender, durch teilweise Immunität gebremster Transmission übereinstimmt.
Die Studie deutet darauf hin, dass Mpox in Nigeria nicht explosionsartig, sondern durch sporadische Infektionsketten persistiert, von denen viele abbrechen. Es gab keine wesentlichen Unterschiede zwischen Gesundheitsarbeitern und der Allgemeinbevölkerung, was auf breitere Übertragung in der Gemeinschaft hinweist.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die aktuelle Überwachung, die stark auf symptomatische Fälle setzt, die wahre Exposition unterschätzt. Bluttests auf Antikörper könnten helfen, stille Expositionen zu erkennen und gezielte Impfstrategien zu entwickeln. Die langanhaltende Wirkung der Pockenimpfung bei Älteren begrenzt die Ausbreitung weiterhin.
Die Forscher betonen, dass die Befunde keine weit verbreitete stille Epidemie belegen, sondern die Komplexität der Transmission in Populationen mit gemischter Immunität zeigen. Weitere Studien zu funktionalem Schutz, zellulären Immunantworten und Einflüssen wie HIV sind nötig.
Die Arbeit wurde vom Cambridge-Africa-Programm, Wellcome Trust, Hong Kong Jockey Club Global Health Institute und Partnern in Nigeria und Europa unterstützt.
