Eine kleine Gruppe gängiger Blutbiomarker kann vorhersagen, welche älteren Erwachsenen bestimmte Kombinationen chronischer Erkrankungen entwickeln – und wie schnell, berichtet eine neue Studie des Karolinska Institutet, die in Nature Medicine
veröffentlicht wurde. Das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen, die sogenannte Multimorbidität, ist bei älteren Menschen weit verbreitet und stellt eine erhebliche Belastung sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem dar. Eine Kooperationsstudie unter der Leitung von Forschern des Aging Research Center des Karolinska Institutet hat nun einige Blutbiomarker identifiziert, die das Risiko von Multimorbidität vorhersagen können. An der Studie nahmen über 2.200 Personen aus der Stockholmer Allgemeinbevölkerung (Schweden) im Alter von über 60 Jahren teil. Die Forscher analysierten 54 Biomarker im Blut der Teilnehmer, die
biologische
Prozesse wie Entzündungen, Gefäßgesundheit, Stoffwechsel und Neurodegeneration widerspiegeln. Anschließend untersuchten sie den Zusammenhang zwischen diesen Markern und drei Messgrößen für Multimorbidität: der Gesamtzahl der Erkrankungen, fünf häufigen Krankheitsmustern und der Geschwindigkeit, mit der sich die Erkrankungen über einen Zeitraum von 15 Jahren akkumulierten.
„Wir haben festgestellt, dass bestimmte Blutbiomarker, insbesondere solche, die mit dem Stoffwechsel zusammenhängen, stark mit spezifischen Krankheitskombinationen und der Geschwindigkeit der Krankheitsentwicklung korrelieren“, so die Erstautorin der Studie, Alice Margherita Ornago, Doktorandin am Zentrum für Alternsforschung des Karolinska Institutet, Abteilung für Neurobiologie, Pflegewissenschaften und Gesellschaft. Sieben
signifikante Biomarker
erwiesen sich als besonders bedeutsam. Fünf davon – GDF-15, HbA1c, Cystatin C, Leptin und Insulin – korrelierten durchgängig mit allen in der Studie untersuchten Multimorbiditätsmaßen. Zwei weitere – Gamma-Glutamyltransferase und Albumin – korrelierten spezifisch mit der Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs. Die Ergebnisse wurden in einer unabhängigen Kohorte von 522 Teilnehmern in den USA bestätigt.
„Unsere Studie legt nahe, dass Störungen des Stoffwechsels, der Stressreaktion und der Energieregulation zu den Hauptursachen von Multimorbidität bei älteren Menschen zählen“, erklärt der Studienleiter Davide Liborio Vetrano, außerordentlicher Professor an derselben Abteilung. „Dies eröffnet die Möglichkeit, mithilfe einfacher Bluttests Hochrisikopersonen zu identifizieren und so künftig früher einzugreifen.“
doi: 10.1038/s41591-025-04038-2.
