Forscher der Northwestern University haben ein experimentelles Medikament namens NU-9 getestet, das frühe Schäden bei Alzheimer im Tiermodell verhindert. Das Mittel reduziert eine neu identifizierte hochtoxische Unterart von Amyloid-Beta-Oligomeren und mindert Entzündungsreaktionen im Gehirn.
Amyloid-Beta-Oligomere gelten als toxischer als die später auftretenden Plaques. Die Studie entdeckte eine spezielle Unterart, die früh in gestressten Neuronen auftritt und dann auf benachbarte Astrozyten übergeht. Dort löst sie eine Entzündungskaskade aus, die lange vor Gedächtnisverlust beginnt und Neuroinflammation sowie Synapsenschäden fördert.
In einem präsymptomatischen Mausmodell von Alzheimer führte eine 60-tägige orale Gabe von NU-9 zu einer starken Reduktion dieser toxischen Oligomere, einer Abnahme reaktiver Astrogliose und einer Normalisierung abnormer TDP-43-Proteine. Die entzündungshemmende Wirkung erstreckte sich auf mehrere Hirnregionen.
NU-9, ein kleines Molekül, repariert einen gestörten zellulären Abbauweg für toxische Proteine, der bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und ALS versagt. Das Medikament zeigte bereits Erfolge in ALS-Modellen und erhielt 2024 die FDA-Freigabe für klinische Studien bei ALS.
Die Forscher sehen in NU-9 Potenzial für eine frühe Intervention, vergleichbar mit Cholesterinsenkern zur Herzinfarktprävention. Bei Nachweis von Alzheimer-Biomarkern könnte eine prophylaktische Therapie die Krankheitskaskade stoppen. Weitere Tests in Modellen für spätbeginnenden Alzheimer laufen.
Originalpublikation: Kranz, D. et al. Identification of a glia-associated amyloid beta oligomer subtype and the rescue from reactive astrogliosis by inhibitor NU-9. Alzheimer’s & Dementia (2025).
