Forscher der Malmö University und der Region Skåne haben in einer registerbasierten Studie die gesellschaftlichen Kosten von Typ-2-Diabetes in Malmö ermittelt. Die Analyse, veröffentlicht in Frontiers in Clinical Diabetes and Healthcare, basiert auf einem erweiterten nationalen Modell und schätzt die Ausgaben für Primärversorgung, Krankenhausbehandlung und Arbeitsausfälle aufgrund diabetesbedingter Komplikationen. Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes in der Stadt betrug 2016 5,4 Prozent, mit einer steigenden Tendenz bei jüngeren Personen, was zukünftige Belastungen für das Gesundheitssystem andeutet.
Die Studie erweiterte ein nationales Modell aus dem Jahr 2020, das Kosten auf Basis retrospektiver Daten von 1997 bis 2016 berechnete. Für Malmö wurden Anpassungen an Demografie, Beschäftigungsrate und Bildungsniveau vorgenommen. Daten zu Gesundheitsnutzung, Arbeitsausfällen und sozioökonomischen Faktoren stammten aus nationalen Registern wie dem Nationalen Diabetesregister, dem Nationalen Patientenregister und dem Longitudinalen Integrationsdatenbank für Krankenversicherung und Arbeitsmarktstudien. Komplikationen wurden anhand von ICD-10-Codes identifiziert, und Kosten durch NordDRG-Gewichte sowie nationale Referenzpreise ermittelt. Primärversorgungskosten der Region Skåne wurden hinzugefügt, um lokale Bedingungen widerzuspiegeln.
Die Bevölkerung umfasste alle Personen ab 16 Jahren mit Typ-2-Diabetes in Malmö. Die häufigsten Komplikationen waren diabetische Retinopathie mit 49,9 Prozent, diabetische Nierenerkrankung mit 19,1 Prozent, Angina pectoris mit 13,7 Prozent, ischämische Herzkrankheit mit 10,9 Prozent und Myokardinfarkt mit 10,5 Prozent. Kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt betrafen 35,1 Prozent der Betroffenen. Die Kosten waren höher bei Männern, außer bei Neuropathie.
Die Überschusskosten für Typ-2-Diabetes in der Primärversorgung beliefen sich auf 12,7 Millionen Euro. Diese umfassten ambulante Besuche und Behandlungen, die über den Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung hinausgingen. Die niedrigsten Kosten entfielen auf die Altersgruppe 16 bis 34 Jahre, die höchsten auf 65 bis 74 Jahre. Insgesamt betrugen die krankenhausbasierten Kosten 38,8 Millionen Euro, davon 18,1 Millionen Euro für makrovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall und 16,4 Millionen Euro für mikrovaskuläre Komplikationen wie Retinopathie oder Nierenerkrankung. Die Kosten für Arbeitsausfälle aufgrund dieser Komplikationen summierten sich auf 15,4 Millionen Euro, basierend auf Krankheits- und Rehabilitationsleistungen.
Die Gesamtkosten pro Person mit Typ-2-Diabetes lagen bei 2943 Euro, wobei Komplikationen 70 Prozent ausmachten. Die Studie hebt hervor, dass jüngere Personen zunehmend Komplikationen entwickeln, was die Notwendigkeit primärer Prävention unterstreicht. Malmö, als drittgrößte Stadt Schwedens mit 348000 Einwohnern, ist durch hohe Migrationsraten und eine junge Bevölkerung geprägt, was die Prävalenz in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten erhöht. Die Stadt ist Teil des globalen Programms Cities for Better Health, das seit 2019 Maßnahmen gegen Diabetes fördert, einschließlich Bildung für Pflegepersonal.
Die Ergebnisse unterstützen lokale Planung, da die Kosten nicht nur das regionale Gesundheitssystem belasten, sondern auch kommunale Ausgaben für Altenpflege steigern. Die Autoren empfehlen Investitionen in Prävention, um zukünftige Belastungen zu mindern, und schlagen vor, dass intensivere Behandlungen wie HbA1c-Senkung kostenneutral sein könnten und Komplikationen reduzieren.
Quelle: Annersten Gershater M, Dozet A, Ericsson Å, Zdravkovic S. Estimating the societal cost of type 2 diabetes in Malmö, Sweden: a register-based cost analysis. Frontiers in Clinical Diabetes and Healthcare. 2025; doi:10.3389/fcdhc.2025.1611426
