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Aktuelle Lage der Aujeszkyschen Krankheit in Deutschland

Die Aujeszkysche Krankheit, auch als Pseudowut bekannt, stellt weiterhin eine latente Bedrohung für die Tiergesundheit in Deutschland dar, insbesondere durch ihre Präsenz in Wildschweinbeständen. Trotz erfolgreicher Eradikation in Hausschweinepopulationen seit über zwei Jahrzehnten melden Behörden in mehreren Regionen kürzlich Infektionen bei Jagdhunden, die durch Kontakt mit infizierten Wildschweinen entstanden sind. Experten warnen vor einer möglichen Ausweitung, fordern aber keine Panik, sondern strengere Hygienemaßnahmen in der Jagd und Landwirtschaft.

Symbolbild. Credits: Unsplash

Historischer und wissenschaftlicher Hintergrund

Die Aujeszkysche Krankheit ist eine virale Infektion, die durch das Suide Herpesvirus 1, ein Mitglied der Alphaherpesvirinae-Familie, verursacht wird. Das Virus wurde erstmals 1902 vom ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky beschrieben, der es als filtrierbares infektiöses Agens identifizierte. Es befällt primär Schweine als natürliche Wirte, kann aber fast alle Säugetiere außer Pferden und Primaten als Fehlwirte infizieren. Bei Schweinen verursacht es je nach Alter unterschiedliche Symptome: Bei Saugferkeln führt es zu Atemnot, Krämpfen und hoher Letalität, während ältere Tiere oft nur leichte Atemwegserkrankungen oder latente Infektionen entwickeln. Bei Fehlwirten wie Hunden, Katzen oder Rindern verläuft die Erkrankung hingegen tödlich, mit Symptomen wie starkem Juckreiz, Lähmungen, Ataxie und neurologischen Störungen, die an Tollwut erinnern – daher der Name Pseudowut.

Weltweit ist die Krankheit in vielen Ländern endemisch, doch in der Europäischen Union haben strenge Bekämpfungsprogramme zu einer weitgehenden Freiheit in Hausschweinbeständen geführt. In Deutschland trat das Virus erstmals in den 1960er Jahren auf und verursachte massive wirtschaftliche Schäden in der Schweineindustrie. Durch Impfungen, Monitoring und Keulung infizierter Herden konnte es bis 2003 vollständig aus den Hausschweinpopulationen eliminiert werden. Seitdem gilt das Land als offiziell frei, was durch jährliche serologische Untersuchungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft überwacht wird. Dennoch persistierte das Virus in Wildschweinpopulationen, wo es seit 2011 zunehmend nachgewiesen wird. Das wachsende Wildschweinbestand, begünstigt durch mildere Winter und reichliche Nahrung, dient als Reservoir, das eine Rückübertragung auf Haustiere ermöglicht.

Aktuelle Lage in Deutschland

Im Jahr 2025 bleibt die Situation in Hausschweinen stabil: Keine Ausbrüche wurden gemeldet, und das nationale Monitoring bestätigt die Freiheit. Allerdings hat sich das Virus in Wildschweinen weiter verbreitet. In Niedersachsen, wo jährlich über 10.000 Proben untersucht werden, stammen die ersten positiven Befunde aus dem Jahr 2011; seither deuten serologische Daten auf eine langsame Ausbreitung in nordwestlicher und südlicher Richtung hin. Ähnliche Trends zeigen sich in Bayern, wo das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seit 2012 Blutproben von Wildschweinen analysiert und eine endemische Präsenz feststellt. Die Infektionsrate variiert regional: In Südostdeutschland liegt sie bei etwa 10 bis 12 Prozent der getesteten Tiere, während sie in anderen Bundesländern niedriger ausfällt.

Besonders alarmierend sind die Übertragungen auf Haustiere. In den letzten Monaten kam es zu mehreren tödlichen Fällen bei Jagdhunden. Am 25. November 2025 meldete der Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zwei Infektionen: Zwei Jagdhunde erkrankten nach Kontakt mit Wildschweinen während einer Jagd und mussten eingeschläfert werden. Die Behörden betonen, dass die Anzahl solcher Vorfälle insgesamt gering bleibt – bundesweit werden jährlich nur zwei bis drei Fälle bei Hunden registriert. Dennoch signalisiert der Vorfall eine anhaltende Risikolage. Ähnliche Meldungen kamen aus Nordrhein-Westfalen, wo im Oberbergischen Kreis und bei Bonn sowie Gummersbach Wildschweine positiv getestet wurden, was zu Todesfällen bei Hunden führte. Im Landkreis Harburg in Niedersachsen wurde erstmals ein Wildschwein infiziert nachgewiesen, was Tierhalter und Jäger zu erhöhter Vorsicht auffordert.

Die Krankheit ist für den Menschen ungefährlich, da das Virus keine humane Pathogenität zeigt, abgesehen von isolierten Fällen in Asien. Dennoch birgt sie wirtschaftliche Risiken: Ein Ausbruch in Hausschweinbeständen würde zu Massenkeulungen und Handelsbeschränkungen führen, da die Erkrankung meldepflichtig ist und Impfungen verboten sind.

Maßnahmen und Ausblick

Deutsche Behörden reagieren mit intensiviertem Monitoring: Jede Saison werden Proben von erlegten Wildschweinen und Fallwild auf das Virus getestet, ergänzt durch serologische Untersuchungen bei Haustieren. Jäger werden aufgefordert, Kontakte zwischen Hunden und Wildschweinen zu minimieren, rohes Wildfleisch zu vermeiden und Wunden sofort zu desinfizieren. In der Landwirtschaft gelten strenge Biosicherheitsregeln, wie Zäune um Schweinehaltungen und Desinfektion von Fahrzeugen, um eine Übertragung zu verhindern.

Experten vom Friedrich-Loeffler-Institut sehen keine akute Epidemie, sondern eine stabile Endemie in Wildbeständen. Langfristig könnte eine Reduktion der Wildschweindichte durch Jagd helfen, doch der Klimawandel und Wanderungen erschweren dies. Die EU unterstützt nationale Programme, um die Freiheit zu wahren. Für 2026 wird ein verstärktes Fokus auf Grenzregionen zu infizierten Nachbarländern erwartet.

Die Aujeszkysche Krankheit unterstreicht die Vernetzung von Wild und Haustierpopulationen in Deutschland. Präventive Maßnahmen bleiben entscheidend, um Rückschläge in der Tiergesundheit zu vermeiden.

Quellen

  • https://www.zeit.de/news/2025-11/25/aujeszkysche-krankheit-hunde-bei-jagd-in-lup-angesteckt
  • https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/tierseuchen_tierkrankheiten/schwein/aujeszkysche_krankheit/aujeszkysche-krankheit-107874.html
  • https://www.landkreis-harburg.de/portal/meldungen/aujeszkysche-krankheit-bei-wildschweinen-kreisveterinaeramt-raet-tierhaltern-zur-vorsicht-901010274-20100.html?rubrik=1000042
  • https://ljv-nrw.de/aktuelle-faelle-bei-bonn-und-gummersbachaujeszky-todesfallefuer-jagdhunde/
  • https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/wildtiere_und_jagd/aujeszkysche-krankheit-bei-wildschweinen-auf-dem-vormarsch-103349.html
  • https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/aujeszkysche_krankheit/jb22_ak_10_jahre_monitoring.htm
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Aujeszky-Krankheit
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudowut
  • https://www.jagdverband.de/aujeszkysche-krankheit