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Influenza in Deutschland: Panik unangebracht

Influenza, umgangssprachlich Grippe genannt, ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung der Atemwege, die jährlich in den Herbst- und Wintermonaten Wellen schlägt. Verursacht wird sie durch Influenzaviren der Typen A, B und seltener C. Typische Symptome umfassen plötzlichen hohen Fieber (über 38,5 °C), starke Muskelschmerzen, trockenen Husten, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und starkes Krankheitsgefühl. Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Erkältung kann Influenza schnell schwer verlaufen, insbesondere bei Risikogruppen wie älteren Menschen, Kleinkindern, Schwangeren oder Personen mit Vorerkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder geschwächtes Immunsystem). Komplikationen wie Lungenentzündungen, Sinusitis oder eine Verschlimmerung chronischer Erkrankungen treten häufig auf und können zu Hospitalisierungen oder sogar Todesfällen führen. In Deutschland wird die Grippe durch das Robert Koch-Institut (RKI) und die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) engmaschig überwacht, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen.

Epidemiologische Situation: Früher und intensiver Start der Saison

Die Grippesaison 2025/2026 hat in Deutschland ungewöhnlich früh begonnen – bereits im späten Oktober und November – und zeigt Anzeichen einer potenziell schweren Welle. Laut dem aktuellen ARE-Wochenbericht des RKI (Akute Respiratorische Erkrankungen) für die 46. Kalenderwoche (10.–16. November 2025) liegt die Inzidenz akuter Atemwegserkrankungen (ARE) bei etwa 7.000 Fällen pro 100.000 Einwohner, was einem moderaten, aber steigenden Niveau entspricht. Im Vergleich zur Vorwoche (ca. 5.500 Fälle) ist das ein deutlicher Anstieg, der mit dem Ende der Herbstferien zusammenfällt. Schätzungsweise sind derzeit rund 5 Millionen Menschen in Deutschland erkältet oder grippal erkrankt, wobei Influenza-Viren nun 9 % der nachgewiesenen Erreger ausmachen – ein Zuwachs gegenüber dem Herbstbeginn.

In der 47. Kalenderwoche (17.–23. November 2025) wurden etwa 1.326 Arztbesuche pro 100.000 Einwohner aufgrund von Atemwegsinfektionen gemeldet, was auf eine anhaltende Belastung hinweist. Die laborbestätigten Influenza-Fälle sind weiter gestiegen: Bis Mitte November wurden bundesweit Hunderte Fälle registriert, mit regionalen Hotspots wie Hamburg (129 Fälle, doppelt so viele wie im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt) und Berlin. Im Vergleich zur Vorsaison 2024/2025, die erst Ende Dezember an Fahrt aufnahm und mit bis zu 49.000 Fällen pro Woche gipfelte, setzt die aktuelle Welle 3–4 Wochen früher ein. Experten des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) beobachten einen ähnlichen Trend in der gesamten nördlichen Hemisphäre und warnen vor einer „ungewöhnlich frühen und schnellen“ Zirkulation.

Symbolbild. Credits: CDC

Die Intensitätsstufe der Grippewelle wird vom RKI derzeit als „niedrig bis moderat“ eingestuft, doch Prognosen deuten auf eine Eskalation hin. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Notaufnahmen beträgt aktuell 226 Minuten, was auf eine leichte Überlastung hindeutet. Hospitalisierungen und Todesfälle sind bisher gering (z. B. drei Todesfälle in Hamburg), aber das RKI betont, dass die Meldelücken groß sind und die tatsächliche Zahl höher ausfallen könnte.

Dominante Virenstämme und Besonderheiten

Der Hauptakteur in dieser Saison ist das Influenza-A-Virus des Subtyps H3N2, speziell die neue Subklade K. Diese Variante ist dreifach mutiert und zeichnet sich durch eine höhere Übertragbarkeit aus – Schätzungen gehen von einem 20-prozentigen Anstieg der Fallzahlen gegenüber einem Durchschnittswinter aus. H3N2 infiziert bevorzugt die unteren Atemwege und erhöht das Risiko für Lungenentzündungen im Vergleich zu H1N1-Varianten. In den Sentinel-Proben des RKI machen Influenza-A- und B-Viren zusammen über 50 % der Virennachweise aus. Andere Erreger wie RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) und Rhinoviren zirkulieren parallel, was zu einer „Multivirus-Welle“ führt, die das Gesundheitssystem stärker belastet.

Die Impfstoffe für 2025/2026 sind an die neuen Stämme angepasst (z. B. A/Darwin/9/2021 (H3N2)-ähnlich), was einen guten Schutz vor schweren Verläufen bietet, auch wenn die Mutationen den perfekten Match etwas erschweren könnten. Dennoch: Die Wirksamkeit liegt bei 40–60 % gegen symptomatische Erkrankungen.

Risikogruppen und Symptome

Besonders gefährdet sind Personen über 60 Jahre, Kinder unter 5 Jahren, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Bei H3N2 treten Symptome abrupt auf: Hohes Fieber mit Schüttelfrost, intensiver Husten und Erschöpfung können innerhalb von Stunden eskalieren. In seltenen Fällen kommt es zu neurologischen Komplikationen wie Enzephalitis. Die Inkubationszeit beträgt 1–4 Tage, die Ansteckung erfolgt tröpfchen- oder schmierinfektionsbedingt.

Prävention und Maßnahmen

Die beste Schutzmaßnahme bleibt die jährliche Grippeimpfung, die die Ständige Impfkommission (STIKO) für Risikogruppen und Gesundheitsberufe empfiehlt – idealerweise bis Ende November, aber auch später wirksam. Zusätzlich: Häufiges Händewaschen, Abstand halten, Maskentragen in der Öffentlichkeit und Belüftung von Räumen. Bei Verdacht auf Influenza (z. B. via Schnelltest) sollte man zu Hause bleiben, um Ausbreitung zu verhindern. Antivirale Medikamente wie Oseltamivir können in den ersten 48 Stunden die Dauer mildern, sind aber für Risikopatienten reserviert.

Ausblick: Auf was man sich vorbereiten sollte

Experten rechnen mit einer „einen der härtesten Winter“ aufgrund der frühen Dynamik und der H3N2-Mutation, ähnlich der schweren Saison 2022/2023. Das Gesundheitssystem ist wachsam, doch eine Ko-Zirkulation mit COVID-19 und RSV könnte die Belastung verdoppeln.

Bei schweren Symptomen (Atemnot, anhaltendes Fieber) sofort einen Arzt aufsuchen.

Quellen: Basierend auf RKI-ARE-Wochenberichten (Stand November 2025), ECDC und AGI-Daten.