Eine neue Untersuchung der Universitäten Qilu und Soochow in China sowie der University College Cork in Irland hat erstmals gezeigt, dass ein niedriger Serum-IgG-Spiegel ein unabhängiger Prädiktor für die 28-Tage-Mortalität bei Sepsis-Patienten ist. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 25. November 2025 in „Military Medical Research“, könnten die personalisierte Immuntherapie revolutionieren.
Die retrospektive Dual-Cohort-Studie nutzte Daten aus Qilu Hospital (2015–2025) und der MIMIC-IV-Datenbank, basierend auf Sepsis-3.0-Kriterien, und umfasste 343 und 1.720 Patienten. Ergebnisse: Patienten mit IgG-Werten unter 670 mg/dl hatten eine deutlich höhere Mortalität (Qilu: 53,3 % vs. 29,3 %; MIMIC-IV: 8,5 % vs. 5,2 %). Multivariable-Analysen bestätigten den Zusammenhang (Qilu: OR 4,07; MIMIC-IV: OR 1,59), und IgG zeigte die beste Vorhersagekraft (AUC 0,589).

Die Wirksamkeit intravenöser Immunglobuline (IVIg) war bisher umstritten. Die Studie fand jedoch: IVIg reduzierte die 28-Tage-Mortalität bei Patienten mit niedrigem IgG signifikant (Qilu: OR 0,21; MIMIC-IV: OR 0,29 nach PSM), während bei hohen IgG-Werten sogar ein erhöhtes Risiko bestand. Dies deutet darauf hin, dass IVIg gezielt bei IgG-Mangel eingesetzt werden sollte.
Die Autoren schlagen vor, IgG als kostengünstigen Biomarker für Risikostratifizierung zu nutzen und IVIg-Therapie auf IgG-defiziente Patienten zu beschränken. Mechanistisch könnte der Effekt durch Wiederherstellung der humoralen Immunität bei vaskulärer Dysfunktion erklärt werden. Trotz limitierender retrospektiver Daten und fehlender Dosis-Details fordern sie prospektive Studien, um die Ergebnisse zu validieren und die Therapie zu optimieren.
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