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Viele US-Veteranen brechen wirksame PTSD-Therapien vorzeitig ab – Gruppen- und Intensivformate halten Patienten deutlich besser in Behandlung

Etwa jeder vierte US-Soldat oder Veteran, der eine Psychotherapie wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung beginnt, beendet die Behandlung nicht. Das zeigt die bislang umfangreichste Meta-Analyse zum Thema, die heute in der Fachzeitschrift Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy der American Psychological Association erschienen ist.

Die Auswertung von 181 Studien mit insgesamt über 124.000 aktiven und ehemaligen Militärangehörigen ergab eine durchschnittliche Abbruchquote von 25,6 Prozent über alle Therapieformen hinweg. Dabei schnitten jedoch gerade die als besonders wirksam geltenden trauma-fokussierten Verfahren in ihrer klassischen wöchentlichen Form am schlechtesten ab:

  • Kognitive Verarbeitungstherapie (CPT): 40,1 Prozent Abbruch
  • Prolonged Exposure (PE): 34,7 Prozent
  • Virtuelle-Realität-Expositionstherapie: 37,2 Prozent

Deutlich niedriger lagen die Abbruchquoten bei nicht-traumafokussierten Ansätzen wie der gegenwartsorientierten Therapie (16,1 Prozent) oder achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (20 Prozent).

Besonders erfolgreich beim Halten der Patienten in der Behandlung waren zwei Formate:

  • Gruppenbasierte Expositionstherapie, bei der zunächst Kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden, bevor das Trauma bearbeitet wird: nur 6,9 Prozent Abbruch
  • Intensive ambulante Programme, bei denen die gleiche trauma-fokussierte Therapie innerhalb von zwei bis drei Wochen hochdosiert durchgeführt wird: 5,5 bis 8,5 Prozent Abbruch

Besonders hoch war die Abbruchquote mit 46,4 Prozent, wenn PTSD gemeinsam mit einer Substanzabhängigkeit behandelt wurde – deutlich höher als bei der Kombination mit Depression (23,2 Prozent).

Die Studienautoren um Elizabeth Penix-Smith von der Idaho State University und dem Walter Reed Army Institute of Research betonen, dass hohe Abbruchquoten nicht bedeuten, dass diese Therapien unwirksam sind. Im Gegenteil: Gerade CPT und PE gehören zu den am besten belegten Verfahren – sie werden nur deutlich seltener bis zum Ende durchgehalten, wenn sie über viele Monate einmal wöchentlich stattfinden.

Die Ergebnisse liefern klare Handlungsempfehlungen für die Versorgungspraxis: Bei hohem Abbruchrisiko sollten Therapeuten frühzeitig eine starke therapeutische Beziehung aufbauen, Fortschritte transparent machen und individuell passende Formate anbieten – also bevorzugt Gruppen- oder Intensivprogramme, wo immer diese verfügbar sind.

Die Meta-Analyse (DOI: 10.1037/tra0002070) steht ab sofort online zur Verfügung und bietet erstmals verlässliche Vergleichswerte, mit denen Kliniken und das Department of Veterans Affairs künftig gezielter entscheiden können, welche Therapieform für welche Patientengruppe am besten geeignet ist.