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Vogelgrippe-Welle erreicht neuen Höhepunkt

Die hochpathogene Vogelgrippe H5N1 breitet sich in Deutschland mit dramatischer Geschwindigkeit aus. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) meldet seit Anfang September mehr als 85 bestätigte Ausbrüche in kommerziellen Geflügelhaltungen, die zur Keulung von über 700.000 Nutztieren führten. Besonders hart trifft es Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Das FLI stuft das Risiko weiterer Einträge in Geflügelbestände als hoch ein und erwartet keine rasche Entspannung.

Erstmals in diesem Ausmaß sterben Tausende Kraniche am Virus. Allein im Linumer Teichgebiet in Brandenburg wurden über 1500 Kadaver geborgen, in Sachsen-Anhalt und Thüringen mehrere Hundert. Der Herbstzug verstärkt die Verbreitung: Infizierte Wasservögel schleppen H5N1 über Rastplätze weiter. Bis Ende Oktober registrierte das FLI rund 300 positive Wildvogelfunde, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.

Stallpflicht gilt inzwischen in zehn Bundesländern flächendeckend oder kreisweise. Saarland, Hamburg und Brandenburg ordneten landesweite Aufstallung an, in Niedersachsen betreffen Verbote Kreise wie Cloppenburg, Vechta und Gifhorn. Zoos rüsten Schutznetze und Desinfektionsschleusen nach. In ersten Regionen dürfen Jäger erkrankte Kraniche erlegen, um Ansteckungen zu mindern.

Niedersachsen als Geflügelhochburg leidet besonders: Im Kreis Cloppenburg wurden seit Mitte Oktober elf Betriebe infiziert, über 113.000 Puten gekeult. Agrarministerin Miriam Staudte warnt vor wirtschaftlich dramatischen Folgen und möglichen Preisanstiegen für Eier und Geflügel.

Regionen wie der Landkreis Goslar und der Harz sind bislang verschont. Das Landesamt für Verbraucherschutz rät dennoch zur Vorsicht: Hobbyhalter sollen Geflügel aufstallen, Spaziergänger tote Vögel melden.

Das Robert Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen für Menschen kein erhöhtes Risiko. In Deutschland gab es keinen menschlichen Fall. Gefährdet sind nur Personen mit engem Kontakt zu infizierten Tieren. Gekochtes Geflügel und pasteurisierte Milch sind unbedenklich.

Verendete Vögel nie berühren, sondern Behörden melden. Hunde und Katzen anleinen. Geflügel aufstallen, Futter indoors lagern. Schuhe desinfizieren. Grippeimpfung für Risikogruppen empfohlen.

Das FLI rechnet mit einer Verlagerung gen Süden und einem Winterpeak. Die Welle 2025 übertrifft bereits die drittschwerste Epidemie von 2017. Impfversuche laufen, doch Biosicherheit bleibt entscheidend.

Quellen

  • Friedrich-Loeffler-Institut (FLI): Risikoeinschätzungen und Tierseucheninformationssystem (TSIS)
  • DIE ZEIT/dpa: Berichte vom 2. und 23. Oktober 2025
  • tagesschau.de: Meldungen vom 29. Oktober und 4. November 2025
  • gefluegelnews.de: Geflügelpest-Ticker, Update 6. November 2025
  • rbb24: Liveticker Vogelgrippe Brandenburg, 1. November 2025
  • topagrar.com: Karte zu Stallpflichten und Ausbrüchen, 6. November 2025
  • LAVES Niedersachsen und LAVE NRW: Aktuelle Allgemeinverfügungen
  • NABU Brandenburg: Stellungnahmen zum Kranichsterben