Der US Pharmakonzern AbbVie (NYSE: ABBV) hat positive Topline-Ergebnisse aus zwei replizierten Phase-3-Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Upadacitinib (RINVOQ®; 15 mg einmal täglich) bei Erwachsenen und Jugendlichen mit nicht-segmentaler Vitiligo (NSV) vorgelegt. NSV, die häufigste Form der Erkrankung (über 90 Prozent der Fälle), zeichnet sich durch symmetrische, beidseitige weiße Flecken aus. Die Studien erreichten beide Co-Primärendpunkte: mindestens 50 Prozent Reduktion im Total Vitiligo Area Scoring Index (T-VASI 50) und 75 Prozent im Facial Vitiligo Area Scoring Index (F-VASI 75) nach 48 Wochen im Vergleich zu Placebo. Auch alle wichtigen sekundären Endpunkte wurden statistisch signifikant übertroffen.
„Vitiligo ist mehr als eine Hauterkrankung – es ist eine chronische Autoimmunkrankheit, die Selbstvertrauen, Identität und Alltag massiv beeinträchtigt“, erklärte Kori Wallace, M.D., Ph.D., Vice President und Global Head of Immunology Clinical Development bei AbbVie. „Derzeit gibt es keine zugelassenen systemischen Therapien zur Repigmentierung. Diese Phase-3-Daten markieren einen Meilenstein in unserem Engagement für innovative immunologische Lösungen.“
Studiendesign und Kernergebnisse
Die doppelblinden, placebokontrollierten Studien (M19-044, Study 1 und Study 2) umfassten jeweils über 300 Patienten ab 12 Jahren mit NSV, die für eine systemische Therapie infrage kamen. Rund 70 Prozent der Teilnehmer wiesen zu Studienbeginn einen T-VASI-Wert >10 auf – ein Indikator für ausgedehnte Depigmentierung. Randomisierung erfolgte im Verhältnis 2:1 (Upadacitinib 15 mg vs. Placebo) über 48 Wochen (Periode A), gefolgt von einer 112-wöchigen Open-Label-Extension (Periode B).
Wichtige Wirksamkeitsdaten (Week 48):
| Endpunkt | Study 1: Upadacitinib 15 mg (N=206) | Study 1: Placebo (N=102) | Study 2: Upadacitinib 15 mg (N=205) | Study 2: Placebo (N=101) |
|---|---|---|---|---|
| T-VASI 50 (?50 % Reduktion) | 19,4 % | 5,9 % | 21,5 % | 5,9 % |
| F-VASI 75 (?75 % Reduktion Gesicht) | 25,2 % | 5,9 % | 23,4 % | 6,9 % |
| F-VASI 50 (sekundär) | 48,1 % | 12,7 % | 43,4 % | 12,9 % |
Die Unterschiede zu Placebo waren hochsignifikant (p < 0,001). Besonders das Gesicht – psychosozial die belastetste Region – profitierte früh und deutlich.
Sicherheitsprofil
Das Sicherheitsprofil entsprach dem aus zugelassenen Indikationen (z. B. rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Colitis ulcerosa). Häufigste behandlungsbedingte Nebenwirkungen unter Upadacitinib: Infekte der oberen Atemwege, Akne und Nasopharyngitis. Schwere unerwünschte Ereignisse (TESAE) traten in Study 1 bei 3,9 % (Upadacitinib) vs. 4 % (Placebo) und in Study 2 bei 2 % vs. 1 % auf. Keine adjudierten Fälle von Major Adverse Cardiovascular Events (MACE) oder venösen Thromboembolien (VTE). Drei Malignome (je 1 % in Placebo-Gruppen, 0,5 % in Upadacitinib Study 1). Keine Todesfälle unter Upadacitinib; ein Todesfall in Placebo Study 2.
Expertenstimme
„Viele Vitiligo-Patienten erleben Frustration und Therapieunsicherheit“, kommentierte Thierry Passeron, M.D., Ph.D., Professor und Lehrstuhlinhaber für Dermatologie an der Université Côte d’Azur. „Die Daten zeigen: Die gezielte Hemmung entzündlicher Signalwege kann systemisch sichtbare Repigmentierung ermöglichen.“
Hintergrund Vitiligo
Vitiligo betrifft weltweit 0,5–2,3 Prozent der Bevölkerung. NSV (ca. 84 % der Fälle) führt zu symmetrischen Depigmentierungen, oft an Gesicht, Händen, Füßen oder Genitalien. Psychische Belastungen sind hoch: Depressionen und Angststörungen treten überdurchschnittlich häufig auf. Bislang gab es keine systemisch wirksamen, zugelassenen Repigmentierungstherapien.
Ausblick
Upadacitinib ist ein oraler JAK-Inhibitor, der in Zellassays bevorzugt JAK1 und JAK1/JAK3 blockiert. Die Substanz befindet sich in Phase-3-Programmen für Alopecia areata, Hidradenitis suppurativa, Takayasu-Arteritis, systemischen Lupus erythematodes und Vitiligo. Die Anwendung bei NSV ist noch nicht zugelassen; regulatorische Einreichungen sind in Vorbereitung.
