Die zweite Amtszeit von Präsident Donald Trump hat tiefe Einschnitte in die US-Forschungswelt geschlagen. Seit Januar 2025 hat die Administration Milliarden an Fördermitteln eingefroren, Tausende von Forschern entlassen und ganze Programme gestrichen, was Experten als Bedrohung für die langjährige Dominanz der USA in Wissenschaft und Innovation bezeichnen. Universitäten, medizinische Zentren und staatliche Agenturen ringen mit Unsicherheit, während Gerichte und der Kongress vergeblich versuchen, die Kürzungen abzumildern. Die Folgen reichen von unterbrochenen Krebsstudien bis hin zu einem drohenden Brain Drain, der Talente nach Europa und Asien lockt.
Die NIH-Kürzungen, die im Februar 2025 mit einer Obergrenze von 15 Prozent für indirekte Kosten (wie Laborausrüstung und Verwaltung) eingeführt wurden, haben allein in diesem Jahr über 9 Milliarden Dollar gekostet – Geld, das zuvor in Overhead-Kosten floss und Forschungsinstitute am Laufen hielt. Diese Maßnahme, die auf dem konservativen Projekt 2025 basiert, trifft Universitäten und Krankenhäuser hart: Harvard verlor vorübergehend 2 Milliarden Dollar, Johns Hopkins entließ 2.200 Mitarbeiter, und kleinere Einrichtungen wie das Borough of Manhattan Community College mussten Projekte einstellen. Eine bundesweite einstweilige Verfügung stoppte die Kappe temporär, doch der Schaden ist angerichtet: Forscher berichten von „Entscheidungslähmung“, da laufende Projekte pausieren und Personal abgebaut wird.
Ähnlich hart trifft es die National Science Foundation (NSF), die bis Mai 2025 die Förderung für Kernbereiche wie Mathematik, Physik und Chemie um 67 Prozent kürzte – ein Rückgang auf das niedrigste Niveau seit Jahrzehnten. Über 1.600 Grants im Wert von mehr als 1 Milliarde Dollar wurden gestrichen, darunter Studien zu Klimawandel, Diversität und internationaler Zusammenarbeit, die als „woke“ eingestuft wurden. Ein Gericht erlaubte im September 2025 weitere Kürzungen, was Tausende von Postdocs und Studenten in die Arbeitslosigkeit trieb. Die NSF entließ zudem 25 bis 50 Prozent ihres Personals, was die Prüfung neuer Anträge monatelang lahmlegte.
Diese Politik, die durch Executive Orders umgesetzt wird, zielt auf eine „Reform“ ab: Politische Berater sollen künftig Grants prüfen, statt unabhängiger Experten, und Themen wie DEI (Diversität, Equity, Inclusion) oder Klimaforschung priorisieren oder streichen. Der Haushalt für 2026 sieht weitere Radikalschnitte vor: Die NIH verlieren 40 Prozent (von 47 auf 27 Milliarden Dollar), die NSF 55 Prozent (von 9 auf 4 Milliarden), und die NASA-Wissenschaftsabteilung 52 Prozent. Spezifische Institute wie das National Institute on Minority Health and Health Disparities sollen ganz abgeschafft werden. Kritiker sehen darin eine ideologische Säuberung, die die USA in Bereichen wie KI, Quantencomputing und Medizin zurückwirft.
Die wirtschaftlichen Folgen sind alarmierend: Eine Studie der American University warnt vor einem langfristigen Schaden, vergleichbar mit einer Rezession, da Grundlagenforschung – die 99 Prozent der neuen Medikamente beeinflusst – ausbleibt. Das BIP könnte um Milliarden schrumpfen, Innovationen stocken, und die USA verlieren ihren Vorsprung gegenüber China. Chinesisch-amerikanische Forscher vergleichen die Lage gar mit Maos Kulturrevolution und wandern ab, was einen „Brain Drain“ beschleunigt.
Widerstand wächst: Fast 2.000 Wissenschaftler, darunter Nobelpreisträger, warnten in einem offenen Brief vor einer „Dezimierung“ der US-Wissenschaft. Universitäten wie MIT, Brown und die University of Virginia lehnen „Prioritäts-Deals“ ab, die Förderung an politische Konformität knüpfen. Demokratische Abgeordnete fordern in Hearings mehr Mittel für Krebsforschung, während der Kongress Teile der Kürzungen blockiert. Dennoch: Bis Oktober 2025 sind Hunderte Projekte gestorben, von Bleivergiftungsstudien bis zu Hirnforschung unter Hitzebelastung.
Die Lage bleibt prekär. Während Trump seine Politik als „Effizienzsteigerung“ verkauft, fürchten Experten den Verlust eines Jahrhunderts wissenschaftlicher Führungsstärke. Ohne Kongress-Intervention oder Gerichtsentscheide droht eine dauerhafte Schwächung der US-Forschung, die nicht nur Labore, sondern die gesamte Wirtschaft trifft.
Quellen
- The mystery of Trump’s science cuts – POLITICO
- New Details of Trump’s Budget Cuts Alarm Researchers – Inside Higher Ed
- How Trump’s Federal Funding Cuts Are Hurting Early-Career Researchers and American Health | Scientific American
- Trump’s NIH And NSF Cuts Estimated To Cost The U.S. Economy $10 Billion Annually – Forbes
- Science policy of the second Trump administration – Wikipedia
- Markey, Warren Slam Trump Administration for Causing “Chaos and Upheaval” at Massachusetts Research Institutions – U.S. Senator Ed Markey
- Mapping Federal Funding Cuts to U.S. Colleges and Universities – Center for American Progress
- Science under siege: Trump cuts threaten to undermine decades of research – NBC News
- ‘A disaster for all of us’: US scientists describe impact of Trump cuts | The Guardian
- The trickle-down effect of President Trump’s massive NIH budget cuts – USA Today
- Scientists warn US will lose a generation of talent because of Trump cuts | The Guardian
- The Trump Administration’s Multi-Front Assault on Federal Research Funding – Just Security
- Impact of Trump Administration Directives on Scientific Research in the U.S. | Arnold & Porter
- Trump admin’s NIH cuts threaten student admissions, medical research – Axios
- NIH details how Trump budget would cut support for grants, training, and research centers – STAT News
- As Trump slashes funds, Yale researchers fear lasting damage – Yale Daily News
- States and biomedical research institutions fight funding cuts in court – NPR
- Trump moves to slash NSF: why are the proposed budget cuts so big? – Nature
- Trump administration makes deep cuts to science funding – NPR
- ‘Impossible to rebuild’: NIH scientists say Trump cuts will imperil life-saving research | The Guardian
