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Hoffnung für Hochrisikoschwangerschaften: Rozanolixizumab verhindert Rezidiv von angeborenem Herzblock – NIH finanziert große Multicenter-Studie

Forscher des NYU Langone Health haben einen bahnbrechenden Erfolg bei der Prävention von angeborenem Herzblock (auch cardiac neonatal lupus) erzielt. In einer Hochrisikoschwangerschaft einer Mutter mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) und hohen anti-SSA/Ro-Antikörpern verhinderte das Medikament Rozanolixizumab vollständig die Übertragung schädlicher Autoantikörper über die Plazenta. Das gesunde Baby wurde ohne Herzkomplikationen geboren. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 18. Oktober 2025 in den Annals of the Rheumatic Diseases, führen direkt zu einer NIH-finanzierten Multicenter-Studie mit Hunderten von Patientinnen.

Hintergrund: Die Bedrohung durch angeborenen Herzblock

Angeborener Herzblock ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, die 1–2 % der Babys von Müttern mit anti-SSA/Ro-Antikörpern betrifft. Die Antikörper greifen das elektrische Leitungssystem des fetalen Herzens an, verursachen Bradykardie und können zu Herzstillstand führen. Betroffene Babys:

  • Erfordern lebenslang einen Herzschrittmacher (in 98 % der Fälle).
  • Haben eine Mortalität von bis zu 20 % (intrauteriner Tod oder neonatale Komplikationen).

Die betroffene Mutter hatte bereits zwei traumatische Schwangerschaften:

  • Erstes Kind: Intrauteriner Tod durch Herzblock.
  • Zweites Kind: Überlebte, benötigte aber sofortigen Schrittmacher.

Ohne Intervention betrug das Rezidivrisiko 20–30 %.

Der Durchbruch: Rozanolixizumab als Plazenta-Barriere

Rozanolixizumab, ein monoklonaler Antikörper und FcRn-Inhibitor, blockiert die neonatalen Fc-Rezeptoren (FcRn) auf der Plazenta und reduziert so die Übertragung mütterlicher Antikörper um bis zu 90 %. Zusätzlich senkt es die Autoantikörper-Spiegel der Mutter.

Behandlungsprotokoll in der Studie:


Dauer: Wöchentliche Injektionen von Schwangerschaftswoche 14 bis 28 (kritische Phase der Herzvulnerabilität).
Monitoring: Wöchentliche Ultraschalluntersuchungen + tägliche Heim-EKG-Überwachung des fetalen Herzrhythmus.
Ergebnisse:
Parameter Vor Therapie Nach Therapie Reduktion
Mütterliche anti-SSA/Ro-Spiegel Hoch 50 %
Fetaler Herzrhythmus Risiko Normal 100 %
Babygewicht bei Geburt – 2,89 kg Gesund
Mütterliche Nebenwirkungen – Keine – Das Mädchen wurde in Woche 37 per Kaiserschnitt geboren – ohne jegliche Herzprobleme. Dies ist der erste dokumentierte Fall der Prävention mit einem FcRn-Inhibitor.

„Diese Ein-Patienten-Studie beweist die Machbarkeit und Sicherheit von Rozanolixizumab bei Hochrisikoschwangerschaften“, erklärt Lead-Investigator Dr. Philip Carlucci, Rheumatology Fellow am NYU Grossman School of Medicine. „Kein Antikörper-Transfer bedeutet kein angeborener Herzblock – unser Proof-of-Concept.“

Senior-Investigatorin Dr. Jill Buyon, Direktorin des Lupus Centers am NYU Langone, ergänzt: „Die Ergebnisse sind ermutigend und haben das NIH sofort überzeugt. Wir starten nun die AVERT-Studie (Atrioventricular Block Elimination with Rozanolixizumab Therapy).“

AVERT-Studie: Vom Proof-of-Concept zur Routine

Das National Institutes of Health (NIH) finanziert die Multicenter-Studie mit Millionen Dollar:

  • Ziel: 200–300 Schwangere mit vorherigem Herzblock-Rezidiv.
  • Leitung: Dr. Jill Buyon (NYU), Dr. Bettina Cuneo (University of Arizona), Dr. Justin Brandt (NYU Maternal Fetal Medicine).
  • Design: Randomisierte, placebokontrollierte Phase-II/III-Studie.
  • Start: 2026; Ergebnisse erwartet: 2028–2029.
  • Finanzierung: NIH Office of Autoimmune Disease Research + NIAMS; Dosen von UCB Pharma.

Rozanolixizumab ist FDA-zugelassen für Myasthenia gravis und wird unter Compassionate-Use-Protokoll eingesetzt.

NYU Langone Health: Weltführer in Autoimmunforschung

NYU Langone rangiert als Nr. 1 unter 118 US-akademischen Zentren (Vizient) und hat vier Spezialitäten auf Platz 1 (U.S. News). Mit 15,5 Mrd. USD Umsatz betreibt es 7 Kliniken, das Perlmutter Cancer Center und 320 Ambulanzen. Das Lupus Center unter Dr. Buyon ist global führend in fetaler Autoimmunität.

Weitere Mitforscher: Mala Masson, Peter Izmirly (NYU); Robert Clancy (Columbia University); Angus Worthing (Arthritis Associates); Mary Donofrio (Children’s National Hospital).

Ausblick: Leben retten für Tausende Familien

Jährlich sind weltweit 50.000–100.000 Schwangerschaften betroffen. AVERT könnte die Standardtherapie revolutionieren und Todesfälle/Pacemaker-Implantationen um 90 % senken. Experten prognostizieren Zulassung für Schwangerschaften bis 2029.

Finanzierung: Levison-Gabe + NIH-Grants (R01HD100929 u. a.); UCB Pharma.


Studie: Annals of the Rheumatic Diseases

Dieser Bericht basiert auf der offiziellen Pressemitteilung und Publikation. Weitere Infos: www.nyulangone.org.