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Durchbruch in der Alzheimer-Forschung: Größte Studie an afrikanischstämmigen Patienten identifiziert gemeinsame Krankheitsfaktoren

Eine bahnbrechende Untersuchung zur Genexpression im Gehirn von Patienten afrikanischer Herkunft mit Alzheimer-Krankheit hat erstmals auf großer Skala Unterschiede und Parallelen zu europäischstämmigen Betroffenen aufgedeckt. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht wurden, könnten die Entwicklung von Therapien vorantreiben, die unabhängig von der ethnischen Herkunft wirksam sind. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, vielfältigere Daten in der genomischen Forschung zu berücksichtigen, um die weltweite Belastung durch diese neurodegenerative Erkrankung besser zu bekämpfen.

In den USA ist das Risiko für Alzheimer bei afrikanischstämmigen Menschen etwa doppelt so hoch wie bei Personen europäischer Abstammung. Dieses Ungleichgewicht wird nicht nur durch sozioökonomische Faktoren wie eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, sondern auch durch Testverzerrungen sowie höhere Raten von Risikofaktoren wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Genetische Besonderheiten spielen ebenfalls eine Rolle: So tritt die APOE4-Genvariante bei afrikanischstämmigen Menschen häufiger auf, erhöht jedoch das Alzheimer-Risiko in dieser Gruppe geringer als bei Europäern.

Trotz dieser Erkenntnisse war die Beteiligung afrikanischstämmiger Personen an Alzheimer-Studien lange Zeit minimal. Viele Analysen zur Genexpression in Gehirngewebe umfassen nur wenige oder gar keine Proben aus dieser Bevölkerungsgruppe, was die Ergebnisse verzerrt und spezifische Muster für Betroffene afrikanischer Herkunft unsichtbar macht. Die aktuelle Arbeit schließt diese Lücke, indem sie auf umfangreichen Daten basiert und zeigt, dass genetische Risikofaktoren zwischen den Gruppen zwar überlappen, aber in Varianten und Auswirkungsstärken variieren.

Das Forschungsteam um Lindsay A. Farrer von der Boston University Chobanian & Avedisian School of Medicine untersuchte Gehirnproben von 207 Spendern afrikanischer Herkunft: 125 davon stammten von bestätigten Alzheimer-Patienten, 82 von gesunden Kontrollpersonen. Mittels RNA-Sequenzierung wurden 482 Gene identifiziert, deren Expressionsniveaus bei Erkrankten signifikant von denen der Gesunden abwichen. Besonders auffällig war das ADAMTS2-Gen, dessen Aktivität bei Alzheimer-Fällen um das 1,52-Fache höher ausfiel als in der Kontrollgruppe. Dieses Gen rangierte bereits in einer früheren Studie desselben Teams an afrikanischstämmigen Patienten unter den führenden Kandidaten – ein Novum in der Alzheimer-Genetikforschung.

Diese Übereinstimmung unterstreicht einen gemeinsamen biologischen Mechanismus hinter der Erkrankung, unabhängig von der Abstammung. Weitere drei der Top-Gene – ITPKB, TDRKH und LINC0194 – zeigten ähnliche Abweichungen wie in Untersuchungen an europäischstämmigen Personen, wobei insgesamt 65 Gene vergleichbare Trends aufwiesen. ADAMTS2 ist für vielfältige Funktionen bekannt, darunter die Herabsetzung von Reelin, einem schützenden Protein im Gehirn. Niedrige Reelin-Spiegel fördern die Tau-Phosphorylierung und die Bildung von Amyloid-Plaques – zentrale Merkmale von Alzheimer und verwandten Erkrankungen wie Parkinson.

Basierend auf diesen Befunden empfehlen die Forscher, ADAMTS2 als potenzielles Therapieziel zu priorisieren. Eine Hemmung dieses Gens könnte eine Strategie darstellen, die über ethnische Grenzen hinweg wirkt und die Plaquebildung sowie neuronale Schäden mindert. Die Studie betont, dass solche Ansätze nur durch inklusivere Forschung entstehen können, die die genetische Vielfalt der globalen Bevölkerung abbildet.

Die Ergebnisse könnten die Alzheimer-Therapie revolutionieren, insbesondere in Ländern mit hoher Prävalenz unter Minderheiten. Weitere Untersuchungen zu ADAMTS2 sind nun essenziell, um seine Rolle als Medikamenten-Ziel zu klären und klinische Tests vorzubereiten.