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Studie warnt vor Suizidrisiko bei Haarausfallmedikament Finasterid

Eine neue Studie der Hebräischen Universität Jerusalem legt alarmierende Beweise für die schwerwiegenden psychiatrischen Risiken des Haarausfallmedikaments Finasterid vor. Die Untersuchung, geleitet von Prof. Mayer Brezis, zeigt, dass das Medikament, das weltweit von Millionen Männern zur Behandlung von Haarausfall genutzt wird, seit über zwei Jahrzehnten mit Depressionen, Angstzuständen und Suizidalität in Verbindung steht. Trotz dieser Hinweise haben weder der Hersteller Merck noch Zulassungsbehörden wie die US-amerikanische FDA ausreichende Maßnahmen ergriffen, um die Öffentlichkeit zu schützen.

Die Studie, die am 28. September 2025 veröffentlicht wurde, analysiert Daten aus acht großen Untersuchungen zwischen 2017 und 2023. Sie zeigt durchgehend, dass Finasterid-Anwender ein deutlich höheres Risiko für Stimmungsstörungen und Suizidgedanken haben als Vergleichsgruppen. Die Daten stammen aus verschiedenen Quellen, darunter Nebenwirkungsberichte der FDA, Gesundheitsdatenbanken aus Schweden, Kanada und Israel sowie internationale Pharmakovigilanzsysteme. Schätzungen deuten darauf hin, dass Hunderttausende Menschen an Depressionen im Zusammenhang mit Finasterid gelitten haben könnten, während Hunderte, möglicherweise Tausende, durch Suizid starben.

Finasterid, seit 1997 von der FDA für die Behandlung von männlichem Haarausfall zugelassen, wird häufig jungen Männern als sichere Lösung angepriesen. Die Studie kritisiert jedoch, dass frühe Warnsignale ignoriert wurden. Bereits 2002 wiesen Forscher auf potenzielle Risiken hin, und interne FDA-Dokumente aus dem Jahr 2010 enthüllten geschwärzte Abschnitte mit Schätzungen über betroffene Anwender. Trotz einer Aktualisierung der Warnhinweise im Jahr 2011 (Depressionen) und 2022 (Suizidalität) wurden keine umfassenden Sicherheitsstudien von Merck oder der FDA initiiert. Die Studie spricht von einem „systematischen Versagen“ in der Überwachung von Arzneimittelsicherheit, insbesondere da Finasterid als kosmetisches Medikament weniger strengen Kontrollen unterliegt.

Die biologischen Mechanismen hinter den Nebenwirkungen sind laut der Studie plausibel: Finasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT), was die Produktion von Neurosteroiden wie Allopregnanolon beeinträchtigen kann, die für die Stimmungsregulierung wichtig sind. Tierstudien zeigen zudem Langzeiteffekte wie Neuroinflammation und Veränderungen im Hippocampus. Besonders besorgniserregend ist das sogenannte Post-Finasterid-Syndrom, bei dem Symptome wie Schlaflosigkeit, Panikattacken und Suizidgedanken auch nach Absetzen des Medikaments bestehen bleiben.

Die Studie übt scharfe Kritik an der Untätigkeit von Merck und der FDA. Trotz Zugang zu umfangreichen Patientendaten und Überwachungstools wurden keine proaktiven Maßnahmen ergriffen. Die FDA benötigte fünf Jahre, um auf eine Bürgerpetition für einen stärkeren Warnhinweis zu reagieren, entschied sich jedoch gegen eine formelle „Black Box“-Warnung. Merck bestreitet die Vorwürfe nicht direkt, betont aber die Sicherheit seiner Produkte, ohne eigene Studien vorzulegen.

Prof. Brezis fordert dringende Reformen: die Aussetzung der Vermarktung von Finasterid für kosmetische Zwecke, verpflichtende Sicherheitsstudien nach der Zulassung und eine systematische Erfassung der Medikamentenanamnese bei Suiziduntersuchungen. Die Studie ist einem Mann gewidmet, der nach der Einnahme von Finasterid schwere psychische Probleme entwickelte und später Suizid beging – ein tragisches Beispiel für die Folgen der mangelnden Aufsicht.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung und Überwachung von Medikamenten, insbesondere solcher, die für nicht lebensnotwendige Zwecke eingesetzt werden. Die Studie ist in der Fachzeitschrift The Journal of Clinical Psychiatry erschienen und ruft zu einem Umdenken in der globalen Arzneimittelsicherheit auf.

Quelle: Hebräische Universität Jerusalem, 28. September 2025
Veröffentlichung: https://www.psychiatrist.com/jcp/analytical-review-depression-suicidality-finasteride/