Der deutsche Streaming-Markt zeigt Anzeichen von Sättigung, mit einer hohen Bereitschaft der Nutzer, Abonnements zu kündigen, und einem starken Fokus auf günstige Einstiegsangebote sowie werbefinanzierte Modelle. Eine bevölkerungsrepräsentative Studie der TH Köln und der Bauhaus-Universität Weimar, durchgeführt im Juni 2025 mit 1.030 Teilnehmern, beleuchtet diese Dynamiken. Die Ergebnisse deuten auf einen intensiven Wettbewerb hin, in dem Anbieter wie Netflix und Amazon Prime Video durch starke Kundenbindung punkten, während kleinere Dienste wie Disney+ oder WOW mit höheren Kündigungsabsichten kämpfen.
Die Befragten nutzen im Durchschnitt fast zweieinhalb Streaming-Dienste und geben monatlich nicht mehr als 28 Euro aus. Die Nutzungsdauer bleibt weitgehend stabil, was Wachstum durch intensivere Inhaltsverbrauche erschwert. Etwa ein Viertel der Nutzer hat im vergangenen Jahr ein Abonnement gekündigt, und 61 Prozent schließen Abos gelegentlich nur für spezifische Inhalte wie Serien ab, um sie danach wieder zu beenden. Günstige Einstiegsangebote sind für 57 Prozent entscheidend, und rund 40 Prozent haben bereits aufgrund von Preiserhöhungen nach der Vertragsverlängerung gekündigt. Werbefinanzierte Tarife, die erst kürzlich etabliert wurden, machen bereits die Hälfte der Verträge aus und unterstreichen den Preisdruck.
Bundles mit TV- oder Internetverträgen gewinnen an Bedeutung: 62 Prozent der Abos sind Einzelverträge, 13 Prozent Teil eines Internetpakets und 10 Prozent Bündel mit anderen Streaming-Diensten. Besonders kleinere Anbieter profitieren davon, etwa Paramount+ mit 42 Prozent und RTL+ mit 31 Prozent. Bei der Bewertung der Inhalte zeigen sich geringe Unterschiede: Alle Dienste werden ähnlich positiv wahrgenommen, wobei Disney+ und WOW leichte Abzüge bei Zufriedenheit erhalten. Kleinere Plattformen wie Joyn+ oder Paramount+ werden oft für einzelne Serien abonniert, was gezieltes Marketing ermöglicht. RTL+ schneidet beim Preis-Leistungs-Verhältnis am besten ab, WOW am schlechtesten.
Netflix und Amazon Prime Video heben sich durch Loyalität ab: Weniger als zehn Prozent der Nutzer planen eine Kündigung im nächsten Jahr, und über 65 Prozent bei Netflix sowie 80 Prozent bei Amazon sind länger als zwei Jahre dabei. Im Gegensatz dazu liegt die Kündigungsabsicht bei Disney+, Paramount+ und WOW über 20 Prozent. Der Pre-Test mit 168 Studierenden der TH Köln validierte den Fragebogen, und die Analyse umfasst die sieben größten Anbieter: Amazon Prime Video, Disney+, Joyn+, Netflix, Paramount+, RTL+ und WOW.
Bedeutung für den globalen Healthcare-Markt
Die Studie zum Streaming-Markt hat indirekte, aber zunehmend relevante Auswirkungen auf den globalen Healthcare-Markt, der jährlich über acht Billionen US-Dollar umsetzt und stark von digitalen Innovationen abhängt. Streaming-Technologien treiben die Entwicklung von Telemedizin und digitalen Gesundheitsplattformen voran, die ähnliche Modelle wie Abonnements und werbefinanzierte Inhalte nutzen. Der Healthcare-Sektor integriert Streaming zunehmend für Live-Konsultationen, Patientenüberwachung und Bildung, was durch die Pandemie beschleunigt wurde: Der Healthcare-Anteil im Video-Streaming-Markt wächst mit einer hohen CAGR, da Plattformen für Online-Sprechstunden und Ferntherapien genutzt werden. 10 Dies könnte den Digital-Health-Markt, der 2025 auf rund 300 Milliarden US-Dollar ansteigen soll, um bis zu 15 Prozent erweitern, indem es den Zugang zu Diensten in ländlichen oder unterversorgten Regionen verbessert.
Die hohe Wechselbereitschaft und der Fokus auf günstige Modelle aus der Studie spiegeln sich im Healthcare wider: Ähnlich wie Streaming-Nutzer Abos kündigen, wenn der Preis steigt, könnten Patienten Telemedizin-Dienste wechseln, wenn sie nicht kosteneffizient sind. Dies drängt Anbieter zu Bundles mit Versicherungen oder werbefinanzierten Optionen, wie z. B. Pharma-Werbung in Gesundheits-Apps. Der globale Digital-Health-Markt, der bis 2032 auf über 800 Milliarden US-Dollar wachsen soll, profitiert von der Skalierbarkeit von Streaming-Infrastrukturen, die Echtzeit-Übertragungen für Operationen oder Präventionsprogramme ermöglichen. 17 In Deutschland, wo der Streaming-Markt 2025 auf 5,8 Milliarden Euro anwachsen wird, könnte dies zu hybriden Modellen führen, die Streaming mit Wearables kombinieren, um chronische Erkrankungen zu managen und Kosten um bis zu 20 Prozent zu senken. 5
Langfristig fördert der Wettbewerb im Streaming Innovationen wie personalisierte Inhalte, die auf Healthcare übertragbar sind – etwa KI-gestützte Empfehlungen für Therapien. Herausforderungen wie Datenschutz und Inhaltsqualität bleiben bestehen, doch die Studie unterstreicht, wie der Erfolg von Streaming-Modellen (z. B. Netflix‘ Loyalität durch Exklusivinhalte) auf Healthcare übertragen werden kann, um Patientenbindung zu stärken und den Sektor resilienter zu machen. Dies könnte insbesondere in Schwellenländern den Zugang zu Gesundheitsversorgung democratisisieren und den Markt bis 2030 um weitere 500 Milliarden US-Dollar aufblähen.
