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Fettverteilung beeinflusst Krebsrisiko unabhängig vom BMI

Eine aktuelle Studie des Integrative Cancer Epidemiology Program (ICEP) der Universität Bristol zeigt, dass nicht nur der Body-Mass-Index (BMI), sondern vor allem die Verteilung von Körperfett das Risiko für zwölf krebserregende Tumorerkrankungen beeinflusst. Die im Journal of the National Cancer Institute veröffentlichte Untersuchung hebt hervor, dass insbesondere viszerales Fett und Leberfett eine unabhängige Rolle bei der Entstehung bestimmter Krebsarten spielen.

Die Forscher nutzten die Methode der Mendelianischen Randomisierung, um den Zusammenhang zwischen fünf Fettverteilungsmerkmalen – wie Bauchfett, viszerales Fett, Hüft- und Oberschenkelfett, Leberfett und Pankreasfett – und dem Risiko für zwölf Krebsarten zu untersuchen. Dazu zählen unter anderem Gebärmutter-, Eierstock-, Brust-, Darm-, Pankreas-, Leber- und Nierenkrebs. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ansammlung bestimmter Fettarten das Krebsrisiko unabhängig vom BMI erhöhen oder senken kann.

So zeigte die Studie, dass ein höherer Anteil an Bauchfett das Risiko für Gebärmutterkrebs, Leberkrebs und Speiseröhrenadenokarzinom signifikant steigert. Hingegen scheint Fett an Hüfte und Oberschenkeln das Risiko für Brustkrebs und Meningeome zu senken. Besonders auffällig war, dass Leberfett und viszerales Fett das Leberkrebsrisiko erhöhen, während Pankreasfett mit einem erhöhten Risiko für eine bestimmte Form von Eierstockkrebs assoziiert ist.

Die Untersuchung identifizierte zudem biologische Mechanismen, die diese Zusammenhänge erklären könnten. Hormone und metabolische Marker wie Testosteron, Insulin und Adiponectin scheinen eine vermittelnde Rolle zu spielen. Beispielsweise beeinflusst Bauchfett das Gebärmutterkrebsrisiko über hormonelle Signalwege, während Hüft- und Oberschenkelfett durch höhere Adiponectinspiegel schützende Effekte entfalten könnte.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass der BMI allein als Risikoindikator für Krebs unzureichend ist. Sie könnten die klinische Praxis verändern, indem sie Ärzten ermöglichen, durch gezielte Analyse der Fettverteilung individuellere Risikobewertungen und Präventionsstrategien zu entwickeln. Dies könnte auch die Wahl von Behandlungsansätzen, etwa durch Lebensstiländerungen oder medikamentöse Therapien, beeinflussen.

Die Forscher betonen, dass frühere Beobachtungsstudien zwar ähnliche Zusammenhänge andeuteten, jedoch oft unzuverlässig waren. Die Mendelianische Randomisierung stärkt die Evidenz für kausale Zusammenhänge. Dennoch sind weitere Studien erforderlich, insbesondere in nicht-europäischen Populationen und mit zusätzlichen molekularen Daten, um die Ergebnisse zu validieren. Zukünftige Forschung soll zudem Wechselwirkungen, etwa zwischen Fettverteilung und Alkoholkonsum, sowie den Einfluss von Adipositas-Therapien auf Krebswege untersuchen.

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die biologischen Mechanismen hinter der Wirkung verschiedener Fettdepots auf die Krebsentstehung besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für präzisere Ansätze in der Krebsprävention bilden und die Bedeutung einer gesunden Fettverteilung neben einem normalen Körpergewicht hervorheben.