Das Biotech-Startup Until Labs hat in einer Series-A-Finanzierungsrunde 58 Millionen US-Dollar eingesammelt, um reversible Kryokonservierung von Organen voranzutreiben. Die Runde wurde von Founders Fund geleitet, mit Beteiligung von Lux Capital und Field Ventures. Damit steigt das gesammelte Kapital auf über 100 Millionen Dollar. Die Mittel fließen in den Ausbau des interdisziplinären Teams aus Chemikern, Biologen, Ingenieuren und Physikern, um Perfusion-Hardware, kryoprotektive Agenten und Erwärmungsinfrastruktur zu entwickeln.
Der Fokus liegt zunächst auf der Organ-skalierten Kryokonservierung, die Spenderorgane bei Temperaturen für unbestimmte Lagerung erhalten und dann wieder aufwärmen soll. Aktuell sind Organe wie Herzen, Lungen und Lebern nur 4 bis 12 Stunden transplantierbar, Nieren bis zu 36 Stunden. Logistische Verzögerungen und fehlende Matches führen jährlich zu Tausenden verlorener Organe. Die Technologie von Until Labs zielt darauf ab, diese Fristen auf Wochen oder Monate zu verlängern, sodass Patienten nicht mehr zwingend in Transplantationszentren in der Nähe leben müssen und mehr Spenderorgane genutzt werden können.
Die Forschung begann mit neuralen Gewebeschnitten und konzentriert sich nun auf präklinische Modelle von Organen. Experten für Perfusion, Molekularbiologie, Hardware-Engineering und Physik arbeiten an Methoden, um die Organqualität nach der Konservierung zu optimieren. Dies bildet die Basis für die langfristige Vision: Eine medizinische Hibernation für den gesamten Körper, die biologische Prozesse pausieren könnte. Das Unternehmen sieht Kryokonservierung als lösbares Ingenieurs- und Physikproblem – durch schnelles Kühlen mit Additiven entsteht Glas statt Eis, und rasches Erwärmen minimiert Kristallbildung.
Until Labs positioniert sich als Pionier in einem Feld, das bereits in IVF und Stammzelltherapien etabliert ist, aber für ganze Organe oder Körper noch Herausforderungen birgt. Ähnliche Initiativen wie Alcor existieren, doch Until betont reversible Prozesse ohne bleibende Schäden. Die Finanzierung unterstreicht das wachsende Interesse an Kryotechnologien zur Bewältigung der globalen Organtransplantationskrise, die jährlich Zehntausende Leben fordert. Experten sehen Potenzial für Durchbrüche, warnen jedoch vor ethischen und regulatorischen Hürden, wie sie in Gerichtsentscheidungen zu Kryonik-Fällen diskutiert werden.
