Union und SPD treiben ein verbindliches Primärarztsystem voran, um die Kostensteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung einzudämmen. Kassenpatienten sollen zukünftig primär Hausärzte als erste Anlaufstelle nutzen, die bei Bedarf Überweisungen zu Fachärzten ausstellen. Ausnahmen gelten für Augenheilkunde und Gynäkologie, während chronisch Kranke Sonderregelungen erhalten könnten. Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung unter Kanzler Friedrich Merz ist die Einführung fest verankert, um Wartezeiten zu verkürzen, unnötige Facharzttermine zu vermeiden und Ressourcen effizienter zu bündeln. Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) und Kollektivverträge sollen als Umsetzungsrahmen dienen, ergänzt durch digitale Triage-Tools wie Apps oder Hotlines zur Dringlichkeitsbewertung.
Die Reform, die Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) seit Mai 2025 koordiniert, sieht zudem Anreize vor: Bonuszahlungen für Patienten, die das Modell einhalten, und potenzielle Zuzahlungen für direkte Facharztsuche. Erste Entwürfe diskutieren eine Gebühr von bis zu 200 Euro pro unüberwiesener Facharztvisite, um die Steuerung zu stärken. Die Bundesärztekammer unterstützt den Ansatz als Mittel gegen Ressourcenverschwendung, während Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse eine Kosteneinsparung von mehreren Milliarden Euro prognostizieren. Für 2025 sind Pilotprojekte in ausgewählten Regionen geplant, mit Evaluation bis 2026. Die Finanzierung obliegt den Kassen, die derzeit mit einem Defizit von rund 7 Milliarden Euro ringen.
Der demografische Wandel verschärft die Herausforderungen: Bis 2035 scheiden altersbedingt etwa 30.000 Hausärzte aus, ohne ausreichenden Nachwuchs. Die Mitgliederzahlen der GKV haben sich durch Zuzug auf über 75 Millionen erhöht, was die Ausgaben auf 300 Milliarden Euro jährlich treibt.
Totalversagen der Gesundheitsministerin: Reform überflutet bestehende Praxen
Warkens Vorschlag offenbart ein Totalversagen in der Gesundheitspolitik, da er den akuten Hausarztmangel systematisch unterschätzt und die verbliebenen Praxen mit einem massiven Patientenzustrom überfordern würde. Bereits 2025 sind bundesweit über 5.000 Hausarztsitze unbesetzt, mit besonders hohen Defiziten in Nordrhein-Westfalen (über 500), Bayern (468) und Sachsen (376). Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung unter 3.700 Hausärzten von November 2024 bis Februar 2025 ergab, dass ein Viertel in den nächsten fünf Jahren aussteigen oder die Arbeitszeit um 2,5 Stunden wöchentlich kürzen will – bei einer aktuellen Belastung von 44 Stunden pro Woche, zehn Stunden über dem Branchendurchschnitt.
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) schätzt, dass ein strenges Primärarztsystem pro Praxis 200 bis 2.000 zusätzliche Kontakte jährlich erfordern könnte, abhängig von der Ausgestaltung. In ländlichen Regionen wie Sachsen-Anhalt (206 unbesetzte Sitze) oder Thüringen (über 100) würde dies zu Kollaps führen: Wartezeiten verlängern sich, Qualität sinkt, und chronisch Kranke – etwa 50 Prozent der Erwachsenen – erhalten verzögerte Betreuung. Der Spitzenverband der Fachärzte warnt vor einem „Supergau“, da Hausärzte ohne Delegationsmodelle oder Task-Sharing mit Pflegekräften die Koordinationsaufgabe nicht stemmen können. Warken ignoriert hier etablierte Forderungen der Ärztekammern nach Entbürokratisierung und Ausbildungsreformen; stattdessen setzt sie auf eine bloße Steuerung, die ohne Kapazitätsaufbau scheitert. Experten des IGES-Instituts prognostizieren bis 2040 einen Mangel von 11.000 bis 20.000 Stellen, was die Reform zu einer Illusion macht.
Die unliebsame Wahrheit: Kassen unter Druck durch Ukraine-Zuzug und unkontrollierte Migration
Der Vorschlag blendet eine zentrale Belastung aus: Die gesetzlichen Krankenkassen leiden unter den Kosten für Ukraine-Geflüchtete und unkontrollierte Migration, was die Reformfinanzierung gefährdet und Beiträge für Arbeitnehmer verteuert. Seit 2022 haben über 1,1 Millionen Ukrainer Anspruch auf volle GKV-Leistungen; allein Juni bis August 2022 kostete die Behandlung 29,3 Millionen Euro. Bis Ende 2025 stellt der Bund zusätzlich 50 Millionen Euro für kriegsverletzte Soldaten bereit. Viele Geflüchtete beziehen Bürgergeld, das Beiträge nicht deckt, und treiben Unterdeckungen in Höhe von 2-3 Milliarden Euro jährlich.
Breiter wirken Migrationskosten: 2024 beliefen sich asylbedingte Ausgaben der Länder auf 6,7 Milliarden Euro, davon 1,2 Milliarden für medizinische Versorgung wie Schwangerschaften und chronische Erkrankungen. Der Bund plant 28,4 Milliarden Euro für Flüchtlingskosten 2024 und 24,3 Milliarden für 2025. Diese Summen belasten den Gesundheitsfonds, ohne dass Einnahmen proportional steigen – ein Drittel der Neuankömmlinge ist arbeitslos. Ohne Kurswechsel, etwa durch strengere Integrationspflichten oder Beitragsanpassungen für Nicht-Beitragszahler, eskaliert der Druck. Warkens Modell adressiert dies nicht, sondern verschiebt Probleme auf überlastete Praxen, während die wahren Ursachen – ungezügelter Zuzug – unangetastet bleiben. Eine Änderung ist essenziell: Nur durch Begrenzung und gezielte Finanzsteuerung können Kassen stabilisiert werden.
