Siemens Healthineers, einer der globalen Marktführer in der Medizintechnik, steht unter zunehmendem Druck durch aufstrebende chinesische Wettbewerber. Das Unternehmen, das sich auf Bildgebende Verfahren, Diagnostik und Therapiegeräte spezialisiert hat, sieht seine Wachstumsprognosen in China – einem Schlüsselmarkt – durch intensiven Wettbewerb und regulatorische Hürden beeinträchtigt. Analysten wie UBS haben kürzlich die Bewertung des Konzerns herabgestuft, da der Einfluss chinesischer Firmen wie Mindray und United Imaging auf den Markt für Bildgebende Systeme zunimmt. Diese Entwicklung wirft Fragen zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit europäischer Medizintechnik-Anbieter auf und unterstreicht die Verschiebung im globalen Gesundheitsmarkt.
Marktposition von Siemens Healthineers: Stärken und globale Präsenz
Siemens Healthineers generiert einen Großteil seines Umsatzes mit innovativen Produkten wie MRT- und CT-Scannern, Laborgeräten und onkologischen Therapien. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen einen vergleichbaren Umsatzwachstum von 4,7 Prozent, wobei der Bereich Bildgebung mit 8,7 Prozent besonders stark performte. Der Konzern ist in über 70 Ländern aktiv und beschäftigt rund 65.000 Mitarbeiter. In China, das bis vor Kurzem ein Wachstumstreiber war, hat Siemens Healthineers eine starke Präsenz aufgebaut, inklusive lokaler Produktionsstätten in Shenzhen und Wuxi. Dort werden MRI-Systeme und Angiographie-Geräte hergestellt, um den Marktbedarf zu decken und Zölle zu minimieren. Trotz dieser Investitionen – darunter ein neues Forschungs- und Produktionszentrum im Wert von über 137 Millionen US-Dollar, das bis 2027 startet – kämpft das Unternehmen mit sinkenden Auftragszahlen.
Chinesische Konkurrenz: Mindray und United Imaging als wachsende Bedrohung
Der Aufstieg chinesischer Medizintechnik-Unternehmen stellt eine fundamentale Herausforderung dar. Mindray, der größte chinesische Hersteller, erzielte im ersten Halbjahr 2021 bereits einen Umsatz von 12,8 Milliarden Yuan und hat sich zu einem globalen Player in Diagnostik und Monitoring-Geräten entwickelt. United Imaging gewinnt Marktanteile im Bereich Bildgebung, wo es kostengünstige Alternativen zu Siemens-Produkten anbietet. Diese Firmen profitieren von staatlichen Förderungen, niedrigeren Produktionskosten und einer lokalen Präferenz für heimische Technologien. Neue Importbeschränkungen in China für Geräte über 45 Millionen Yuan pro Vertrag begünstigen einheimische Anbieter und erschweren den Zugang für ausländische Konkurrenz. Dadurch sinkt das Wachstum für westliche Firmen im Imaging-Markt von prognostizierten 5 Prozent auf 3 Prozent jährlich. Weitere chinesische Player wie Shinva Medical und Yuwell erweitern ihren Einfluss in Sterilisation, Radiotherapie und Heimdiagnostik, was den Druck auf Siemens Healthineers in Asien verstärkt.
Aktuelle Herausforderungen in China: Auftragsverzögerungen und regulatorische Hürden
Im dritten Quartal 2024 verfehlte Siemens Healthineers die Umsatzprognosen um 5,42 Milliarden Euro, hauptsächlich durch Auftragsverzögerungen in China. Die Anti-Korruptionskampagne der Regierung und das Volume-Based Procurement (VBP)-Programm drücken die Margen im Diagnostikbereich, wo Preise für Verbrauchsmaterialien gesenkt werden. Trotz eines Umsatzwachstums von 6 Prozent in China im Vergleich zum Vorjahr bleibt der Book-to-Bill-Koeffizient bei etwa 1, was auf Stagnation hinweist. Geopolitische Spannungen, einschließlich potenzieller US-Zölle unter einer Trump-Administration, könnten die Situation weiter verschärfen, da Siemens Healthineers mit Kosten von 200 bis 250 Millionen Euro für Zollminderungsmaßnahmen rechnet. Dennoch erwartet der Konzern für 2025 ein Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent, getrieben von Märkten wie den USA und Europa, wo der Imaging-Bereich weiterhin stark wächst.
Auswirkungen auf Wachstum und Bewertung: Analystenprognosen und Strategische Anpassungen
Die wachsende Bedrohung durch chinesische Konkurrenz hat direkte Folgen für die Finanzen von Siemens Healthineers. UBS prognostiziert für 2025 bis 2028 einen Umsatzrückgang von 1 bis 3 Prozent und eine EPS-Reduktion von 2 bis 6 Prozent, mit einer gesenkten Endwachstumsrate von 1,75 Prozent. Die Aktie fiel nach der Downgrade um mehrere Prozent. Um zu reagieren, plant Siemens Healthineers die Einführung von rund 20 lokal produzierten Produkten im Fiskaljahr 2025, um regulatorische Hürden zu umgehen und die Lokalisierung zu vertiefen. Der Fokus liegt auf KI-gestützter Bildgebung und Theranostics, um Wettbewerbsvorteile zu sichern. Gleichzeitig könnte die EU-Untersuchung gegen chinesische Praktiken zu Restriktionen für Mindray und Co. in europäischen Ausschreibungen führen, was Siemens Healthineers indirekt nutzt. Dennoch bleibt China ein volatiler Faktor, der das Gesamtwachstum dämpft und Investoren verunsichert.
Zukunftsperspektiven: Lokalisierung als Schlüssel zur Resilienz
Trotz der Bedrohungen positioniert sich Siemens Healthineers durch Investitionen in China langfristig. Die neue Shenzhen-Anlage soll die gesamte Wertschöpfungskette für MRI und Angiographie absichern und Abhängigkeiten von Importen reduzieren. Der globale Markt für Medizintechnik wächst jährlich um 5 Prozent, wobei China mit seiner alternden Bevölkerung und steigender Gesundheitsausgaben Potenzial bietet. Experten sehen in der Balance zwischen Innovation und Lokalisierung den Weg für Siemens Healthineers, um den Druck von Mindray und United Imaging abzuwehren. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob das Unternehmen seine Prognosen halten kann und ob geopolitische Entwicklungen den Wettbewerb weiter eskalieren lassen.
