In Mecklenburg-Vorpommern hat sich seit Mitte August 2025 ein signifikanter Anstieg von Infektionen mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC)-Bakterien ereignet, der von den Behörden als Ausbruch eingestuft wird. Bis zum 12. September 2025 wurden in diesem Bundesland insgesamt 59 Fälle registriert, wobei der betroffene Bakterienstamm O45:H2 nachweislich für mindestens 21 Erkrankungen verantwortlich ist. Besonders alarmierend ist der hohe Anteil schwerer Verläufe: Etwa ein Fünftel der Betroffenen entwickelte das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine Komplikation, die zu Nierenversagen und neurologischen Störungen führen kann. Unter den Erkrankten befinden sich vorwiegend Kinder im Alter von einem bis neun Jahren, von denen mehrere stationär behandelt werden mussten, teilweise auf Intensivstationen.
Der Ausbruch begann zunächst in den östlichen Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald, hat sich aber mittlerweile auf westliche Regionen des Landes ausgebreitet. Insgesamt sind elf Kinder und drei Erwachsene mit diesem spezifischen Stamm infiziert, wobei acht Fälle lokal in Mecklenburg-Vorpommern auftraten und sechs aus benachbarten Bundesländern stammen. Seit dem 1. September 2025 wurden keine neuen Infektionen mit diesem Stamm gemeldet, was auf eine mögliche Eindämmung hindeutet. Dennoch beobachten das Robert Koch-Institut (RKI) und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) die Situation weiterhin genau, da EHEC-Infektionen das ganze Jahr über sporadisch auftreten und der Übergang zu anderen Stämmen fließend sein könnte.
Bundesweit sind die Zahlen ebenfalls besorgniserregend. Das RKI meldet bis Ende August 2025 etwa 3.660 EHEC-Fälle in Deutschland, was bereits mehr als im gesamten Vorjahr entspricht. In Hamburg wurden allein in diesem Jahr 113 Infektionen nachgewiesen, gegenüber 91 im Jahr 2024, und 18 Betroffene mussten hospitalisiert werden. Auch in Berlin und Brandenburg sind vereinzelte Fälle aufgetaucht, darunter mehrere Kinder, die sich in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt haben sollen. Insgesamt wurden seit Mitte August 69 Infektionen im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern erfasst. Das RKI betont jedoch, dass keine deutschlandweite Häufung vorliegt und der Anstieg teilweise auf verbesserte Labordiagnostik zurückzuführen ist, wie die systematische PCR-Tests seit September 2023.
Die Ursache des Ausbruchs bleibt ungeklärt, was die Situation erschwert. Behörden und Labore in Rostock, Wernigerode und Münster untersuchen fieberhaft mögliche Quellen. Verdächtigt werden vor allem kontaminierte Lebensmittel wie Rohmilchprodukte, Hackfleisch, Rohwurst oder unzureichend gewaschenes Obst und Gemüse, die durch tierischen Dung oder verunreinigtes Wasser belastet sein könnten. Eine mögliche Verbindung zu einer Rückrufaktion von Zwiebelmettwurst aus Thüringen wird geprüft, da in einer Charge EHEC-Bakterien entdeckt wurden, doch bisher fehlen klare Hinweise auf einen Zusammenhang. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektionen, insbesondere in Kindereinrichtungen, wird als Risikofaktor betrachtet. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt drei bis vier Tage, kann aber bis zu zehn Tage dauern, was die Rückverfolgung kompliziert.
Die Behörden haben präventive Maßnahmen verschärft. Das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern hat Kitas und Schulen vor dem Jahresbeginn Empfehlungen zukommen lassen, die auf strenge Hygiene setzen: Regelmäßiges Händewaschen, gründliches Schälen oder Waschen von Gemüse und separater Umgang mit rohen Lebensmitteln. In einer Sondersitzung des Landtags wurde ein detaillierter Lagebericht angefordert, um die Koordination zwischen Gesundheitsämtern, Veterinären und Lebensmittelkontrolleuren zu verbessern. Bundesweit rufen Supermärkte Produkte wie Salami zurück, um potenzielle Risiken auszuschließen. Experten erinnern an den großen EHEC-Ausbruch von 2011, bei dem rund 3.800 Menschen erkrankten und über 50 starben, hauptsächlich durch verunreinigte Sprossen. Damals dauerte es Wochen, bis die Quelle identifiziert wurde, was die Notwendigkeit schnellerer Reaktionsketten unterstreicht.
Trotz der stabilisierenden Tendenz in den letzten Tagen bleibt die Lage angespannt. Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet, da HUS bei ihnen häufig zu vorübergehender Dialyse führt. Das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) raten zu erhöhter Vorsicht bei der Lebensmittelzubereitung: Rohes Fleisch und Milchprodukte sollten auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt werden, und Kontakt mit Tieren in der Landwirtschaft ist mit Hygiene zu begleiten. Die Meldepflicht für EHEC-Infektionen sorgt für bessere Überwachung, doch die unklare Quelle birgt das Risiko weiterer Fälle. Öffentliche Kampagnen zielen darauf ab, die Bevölkerung zu sensibilisieren, ohne Panik zu schüren, da die meisten Infektionen mild verlaufen. Die Fortsetzung der Untersuchungen ist entscheidend, um einen landesweiten Eskalationsszenario zu verhindern.
