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EHEC-Infektionen in Deutschland: Häufung in Mecklenburg-Vorpommern und Ostfriesland sorgt für Besorgnis

In Deutschland häufen sich derzeit die Infektionen mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC), insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Niedersachsens. Besonders alarmierend ist die hohe Zahl schwerer Erkrankungen bei Kindern, während Behörden intensiv nach den Ursachen suchen. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht derzeit keine Hinweise auf eine bundesweite Häufung, beobachtet die Lage jedoch genau.

Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern: Kinder besonders betroffen

In Mecklenburg-Vorpommern wurden seit Mitte August 2025 insgesamt 45 EHEC-Fälle registriert, die meisten davon in den östlichen Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen. Besonders betroffen sind Kinder im Alter von ein bis 15 Jahren, von denen viele stationär behandelt werden. Zwölf Patienten, überwiegend Kinder, entwickelten das gefürchtete hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das zu schwerwiegenden Nierenschäden und Blutgerinnungsstörungen führen kann. Vier Kinder befinden sich auf Intensivstationen, drei davon sind an Dialysegeräte angeschlossen. „Normalerweise sehen wir in Mecklenburg-Vorpommern ein bis zwei HUS-Fälle pro Jahr, nicht so viele in so kurzer Zeit“, sagt Martina Littmann, Leiterin der Abteilung Gesundheit beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus). „Das löst Alarmglocken aus, aber es gibt keinen Grund zur Panik.“

Ein Fortschritt in der Ursachensuche wurde am 8. September gemeldet: Das Nationale Referenzzentrum in Wernigerode identifizierte den Ausbruchsstamm als den seltenen Subtyp O45:H2, der in Deutschland nur selten vorkommt, aber schwere Verläufe verursacht. „Diese Identifizierung ermöglicht eine gezieltere Suche nach der Infektionsquelle“, erklärte Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD). Dennoch bleibt die Quelle unklar, obwohl Lebensmittelkontrollen – etwa von Wurstwaren – laufen.

EHEC in Ostfriesland: Niedersachsen im Fokus

Auch in Niedersachsen, insbesondere in der Grafschaft Bentheim und Emden, wurden verstärkt EHEC-Fälle gemeldet. Die meisten Infektionen verlaufen hier bisher mild, doch die Unsicherheit über regionale Unterschiede bleibt bestehen. „Derzeit werden verstärkt Proben auf EHEC untersucht“, berichtet Katja Lüers von der Nordwest-Zeitung. Die Behörden prüfen Konsummuster und mögliche Übertragungswege, etwa durch kontaminierte Lebensmittel oder Tierkontakte.

In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg (255 Fälle bis August 2025) und Bayern (365 Fälle) steigen die Zahlen ebenfalls, liegen aber über dem Vorjahreszeitraum. In Berlin wurden bis Ende August 160 Fälle registriert, deutlich mehr als der Median der Vorjahre (58). Hamburg meldet 113 Infektionen, gegenüber 91 im gesamten Jahr 2024.

EHEC: Symptome und Übertragung

EHEC-Bakterien, die vor allem in den Därmen von Wiederkäuern wie Rindern vorkommen, produzieren Shigatoxine, die schwere Durchfallerkrankungen und HUS auslösen können. Typische Symptome sind wässrige oder blutige Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem und ihre Organe noch nicht ausgereift sind. Die Übertragung erfolgt meist über kontaminierte Lebensmittel, direkten Tierkontakt oder verunreinigtes Wasser.

Vergleich mit 2011 und aktuelle Maßnahmen

Die aktuelle Häufung erinnert an den verheerenden EHEC-Ausbruch 2011, bei dem rund 3.800 Menschen erkrankten und über 50 starben. Damals wurden verunreinigte Sprossen als Ursache identifiziert. Derzeit gibt es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit einem ähnlichen Ausbruch in belgischen Seniorenheimen, wo acht Todesfälle gemeldet wurden. Laboranalysen zeigen unterschiedliche Bakterienstämme.

Die Behörden in Deutschland arbeiten intensiv an der Ursachenfindung. „Die Suche nach der Quelle ist wie Detektivarbeit“, erklärt Tobias Tenenbaum, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. Befragungen zu Konsummustern und Orten, die die Erkrankten besucht haben, stehen im Fokus. Das RKI und lokale Gesundheitsämter sind in engem Austausch, um die Lage zu klären.

Prävention und Ausblick

Eltern werden aufgefordert, bei Symptomen wie blutigem Durchfall oder starken Bauchschmerzen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Präventivmaßnahmen umfassen gründliches Händewaschen, das Vermeiden von rohem Fleisch und die sorgfältige Reinigung von Obst und Gemüse. Die Behörden betonen, dass die Situation unter Kontrolle ist, aber weiterhin genau überwacht wird.

Die aktuellen EHEC-Ausbrüche zeigen, dass die Bakterien ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko bleiben. Während die Ursachenforschung voranschreitet, bleibt die Öffentlichkeit aufgerufen, wachsam zu sein und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten.