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Biomarker TSPO erkennt Alzheimer Jahre vor ersten Symptomen

Ein bahnbrechender Fortschritt in der Alzheimer-Forschung: Der Biomarker TSPO (Translocator Protein 18 kDa) könnte die Diagnose von Alzheimer-Krankheit Jahre vor dem Auftreten erster Symptome wie Gedächtnisverlust ermöglichen. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die in der Fachzeitschrift Acta Neuropathologica veröffentlicht wurde. Die Forschung, geleitet von Tomás R. Guilarte, Dekan des Robert Stempel College of Public Health & Social Work an der Florida International University (FIU), zeigt, wie TSPO als Indikator für Hirnentzündungen genutzt werden kann, um die Krankheit frühzeitig zu erkennen und möglicherweise neue Behandlungsansätze zu entwickeln.

Früherkennung durch TSPO: Ein Meilenstein in der Alzheimer-Diagnostik

Die Studie ist die erste, die detailliert untersucht, wie früh TSPO-Werte im Gehirn ansteigen und in welchen Regionen dies geschieht. „Wenn wir diese Informationen nutzen können, um den Fortschritt von Alzheimer auch nur um fünf Jahre zu verzögern, könnte dies die Lebensqualität der Patienten drastisch verbessern und die Prävalenz der Krankheit reduzieren“, erklärt Guilarte, ein weltweit anerkannter Experte für TSPO, der seit über 30 Jahren zu diesem Protein forscht.

Die Forscher nutzten fortschrittliche Bildgebungsverfahren, um TSPO-Werte in genetisch veränderten Mausmodellen für familiären Alzheimer zu verfolgen. Diese Ergebnisse wurden durch Analysen von menschlichem Hirngewebe bestätigt, das von der weltweit größten Gruppe mit früh einsetzendem familiärem Alzheimer aus Antioquia, Kolumbien, gespendet wurde. Diese Personen tragen die sogenannte „Paisa-Mutation“, die typischerweise in den 30er- oder 40er-Jahren zu Symptomen führt und Betroffene in ihren 50ern versterben lässt.

Erhöhte TSPO-Werte im Hippocampus und geschlechtsspezifische Unterschiede

In den Mausmodellen zeigte sich bereits im Alter von sechs Wochen – vergleichbar mit 18 bis 20 Jahren beim Menschen – ein erhöhter TSPO-Spiegel im Subiculum, einer Schlüsselregion des Hippocampus. Besonders Mikroglia, die Hauptimmunzellen des Gehirns, die sich um Amyloid-Plaques ansammeln, wiesen die höchsten TSPO-Werte auf. Interessanterweise hatten weibliche Mäuse höhere TSPO-Werte, was mit realen Daten übereinstimmt: Zwei Drittel der Alzheimer-Patienten sind Frauen.

Ähnliche Muster wurden in den Gehirnproben der kolumbianischen Patienten mit der Paisa-Mutation beobachtet. Selbst in späten Krankheitsstadien blieben die TSPO-Werte in Mikroglia nahe den Plaques erhöht. Diese Ergebnisse werfen neue Fragen zur Funktion von TSPO auf: Trägt es zur Schädigung des Gehirns bei oder schützt es? Könnte eine Blockade oder Verstärkung von TSPO das Fortschreiten der Krankheit stoppen?

Zukunftsweisende Forschung und nächste Schritte

Das Team um Guilarte arbeitet derzeit mit einem speziell entwickelten Alzheimer-Mausmodell ohne TSPO, um diese Fragen weiter zu untersuchen. Zudem wird die Studie auf sporadischen, spät einsetzenden Alzheimer ausgeweitet, der über 90 Prozent der Diagnosen ausmacht. „Je besser wir diese Prozesse verstehen, desto näher kommen wir maßgeschneiderten Behandlungen, die wirklich helfen – bevor es zu spät ist“, sagt Daniel Martínez Pérez, Erstautor der Studie und Doktorand in Guilartes Labor.

Über die Florida International University (FIU)

Die Florida International University ist eine der 50 besten öffentlichen Forschungsuniversitäten in den USA mit über 55.000 Studierenden aus allen 50 Bundesstaaten und mehr als 140 Ländern. Mit über 200 Studiengängen, darunter Medizin und Recht, und einem Fokus auf Forschung in Bereichen wie Umwelt, Gesundheit und Technologie, ist die FIU ein führendes Zentrum für Innovation. Als Carnegie R1-Institution treibt die Universität bedeutende Entdeckungen voran und engagiert sich stark für studentischen Erfolg und gesellschaftliche Mobilität.

Quelle: Florida International University