Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation ambitionierte Pläne zur Transformation des Landes in eine „vollständig digitale Nation“ innerhalb von drei Jahren vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Gründung eines Ministeriums für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung, die Einführung eines Digital Code und massive Investitionen in FinTech und Bildung, um Kasachstan als Vorreiter in der digitalen Modernisierung Eurasiens zu positionieren.
Das neue Ministerium, das auf Vizepremier-Ebene angesiedelt wird, soll die Digitalisierungsstrategie des Landes koordinieren. Ein zentraler Bestandteil ist der Digital Code, ein umfassendes Gesetz, das die rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz (KI), Big Data und die Plattformökonomie festlegt. Tokajew betonte, dass KI in allen Wirtschaftssektoren eingesetzt werden müsse, um die Modernisierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben. Ergänzend soll ein nationales Zentrum für Künstliche Intelligenz entstehen, das innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickelt.
Im Finanzsektor kündigte der Präsident die Schaffung eines staatlichen Fonds für digitale Vermögenswerte und eines strategischen Krypto-Reservefonds an, um Innovationen zu fördern und die nationale Finanzarchitektur zu stärken. Ein neues Bankengesetz soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden, um FinTech-Unternehmen zu unterstützen und neue Marktteilnehmer anzuziehen. Seit 2018 hat sich die Zahl der FinTech-Start-ups in Kasachstan vervierfacht, und 90 Prozent der Transaktionen im Land erfolgen bereits bargeldlos, was die Attraktivität des Standorts für digitale Finanzdienstleistungen unterstreicht.
Im Bildungsbereich setzt Kasachstan auf die Integration von KI in Lehrpläne und die Förderung digitaler Lernangebote, insbesondere in ländlichen Gebieten. Ab diesem Studienjahr ist Künstliche Intelligenz an allen Universitäten Pflichtfach, mit dem Ziel, eine Million Menschen in den nächsten fünf Jahren in KI-Grundlagen auszubilden. Diese Maßnahmen sollen die digitale Kompetenz der Bevölkerung stärken und das Land als Technologiezentrum etablieren.
Auch in der Verwaltung und Infrastruktur plant Tokajew tiefgreifende Reformen. Ein Regionaler Investitionsindex soll die Leistung lokaler Verwaltungen transparent machen, während bürokratische Hürden abgebaut werden. Die Einführung einer digitalen „Smart Cargo“-Plattform soll Zoll- und Logistikprozesse optimieren, und die Stadt Alatau soll zu einem Innovationshub ausgebaut werden. Ressourcen des Nationalen Fonds sollen gezielt in zukunftsträchtige Digitalprojekte fließen.
Tokajew betonte die Dringlichkeit der Reformen: Künstliche Intelligenz sei keine Zukunftsvision, sondern präge bereits jetzt das Leben ganzer Generationen. Mit diesen Maßnahmen will Kasachstan nicht nur die eigene Wirtschaft modernisieren, sondern auch als attraktiver Partner für internationale Kooperationen in Technologie, FinTech und digitaler Verwaltung auftreten. Die Umsetzung der Reformen wird weltweit mit Spannung beobachtet, da Kasachstan damit ein ehrgeiziges Signal für digitale Innovation in der Region setzt.
