Ein schwerer Stromausfall hat am Dienstagmorgen den Südosten Berlins lahmgelegt. Rund 50.000 Haushalte und Gewerbebetriebe in den Stadtteilen Altglienicke, Grünau, Adlershof, Spindlersfeld, Alt-Johannisthal und Oberschöneweide waren betroffen. Ursache waren Brände an zwei Hochspannungsmasten in Johannisthal, die nach ersten Erkenntnissen der Polizei durch Brandstiftung ausgelöst wurden. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen, da ein politisch motivierter Anschlag nicht ausgeschlossen wird.
Die Brände wurden gegen 3.30 Uhr entdeckt und von der Berliner Feuerwehr gelöscht. Durch die Flammen wurden mehrere Stromkabel beschädigt, was zu einem Ausfall der Umspannwerke Moissistraße, Wegedornstraße und Fernheizkraft Neukölln führte. Nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin konnten bis zum späten Vormittag etwa 15.000 Kunden wieder an das Stromnetz angeschlossen werden, indem Leitungen umgeschaltet wurden. Wann die verbleibenden Haushalte und Betriebe wieder versorgt werden können, blieb zunächst unklar, da Reparaturen an den beschädigten Leitungen Zeit in Anspruch nehmen.
Der Stromausfall hatte weitreichende Folgen. Der öffentliche Nahverkehr war erheblich beeinträchtigt: S-Bahn-Linien wie S8, S9, S45, S46, S47 und S85 waren zeitweise außer Betrieb, und Straßenbahnen der Linien M17 und 68 fielen aus. Gegen 7.30 Uhr meldete die S-Bahn eine Wiederaufnahme des Betriebs, allerdings funktionierten Lautsprecheransagen, Anzeigen und Fahrkartenautomaten weiterhin nicht. Auch zahlreiche Ampeln waren ausgefallen, was Polizeikräfte dazu veranlasste, den Verkehr manuell zu regeln. Die Polizei sperrte den Königsheideweg in Johannisthal weiträumig ab, um Ermittlungen durch Kriminaltechniker zu ermöglichen.
Besonders kritisch war die Lage in mehreren Pflegeheimen. In einem Heim in der Semmelweisstraße fielen Beatmungsgeräte aus, weshalb die Feuerwehr vier Patienten in Krankenhäuser verlegen musste. Ein weiterer beatmeter Patient aus Niederschöneweide wurde ebenfalls evakuiert. Ein Feuerwehrsprecher schloss eine potenzielle Lebensgefahr für betroffene Patienten nicht aus. Auch ein Polizeirevier, eine Feuerwache und eine Basisstation des Digitalfunks waren betroffen, ebenso drei Freiwillige Feuerwehren, die ihren Dienst einstellen mussten.
Die Polizei geht aufgrund der gezielten Wahl der Hochspannungsmasten und des Vorgehens der Täter von einem vorsätzlichen Anschlag aus. Berichten zufolge wurden Stahlketten um die Stromkabel gewickelt und angezündet, was die Isolierung der Kabel schmolz und einen Kurzschluss verursachte. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Spurensicherung am Tatort, während die genauen Hintergründe noch unklar sind. Der Vorfall wird mit einem Stromausfall in Köpenick 2019 verglichen, bei dem über 30.000 Haushalte rund 30 Stunden ohne Strom waren.
Die Polizei und der Netzbetreiber arbeiten mit Hochdruck an der Klärung der Ursachen und der Wiederherstellung der Stromversorgung. Die Behörden appelieren an die Bevölkerung, die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen und sich auf weitere Einschränkungen einzustellen.
