Die Novartis-Fabrik in Stein, im Kanton Aargau gelegen, zählt zu den größten und strategisch wichtigsten Produktionsstandorten der Schweizer Pharmaindustrie. Doch ein eskalierender Zollstreit mit den USA gefährdet Arbeitsplätze und milliardenschwere Exporteinnahmen. Der Standort, etwa 30 Kilometer rheinaufwärts von Basel, ist ein zentrales Epizentrum der Schweizer Exportwirtschaft, da hier innovative Medikamente wie sterile und feste Darreichungsformen sowie personalisierte Zell- und Gentherapien hergestellt werden. Rund 1.600 Mitarbeiter produzieren jährlich Millionen von Tabletten, Kapseln, Spritzen und anderen Arzneimitteln, die in über 130 Länder exportiert werden.
Die USA, der wichtigste Absatzmarkt für Novartis, machten 2023 rund 40 % des Netto-Umsatzes des Unternehmens aus, was etwa 18 Milliarden US-Dollar entspricht. Drohende US-Strafzölle von bis zu 25 % auf pharmazeutische Importe könnten jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Exportgeschäft haben. Um den Zöllen zu entgehen, hat Novartis in jüngster Zeit große Mengen an Medikamenten per Frachtflugzeug in die USA transportiert, darunter zwei Boeing-747-Flüge Anfang April 2025 mit jeweils über 100 Tonnen Arzneimitteln. In einem Fall nahm das Unternehmen sogar eine Lärmbusse in Kauf, um trotz technischer Verzögerungen und Nachtruhe am Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg noch starten zu können.
Als Reaktion auf den Druck der US-Regierung, die eine stärkere lokale Produktion fordert, plant Novartis massive Investitionen in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar in den USA. Diese umfassen den Ausbau von Produktionsstätten, neue Anlagen und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Auch der Schweizer Pharmakonzern Roche plant einen Ausbau in den USA, mit Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich. Diese Verlagerung der Produktion löst in der Schweiz Besorgnis aus, da sie langfristig Arbeitsplätze und Exporteinnahmen gefährden könnte. Die Pharma- und Chemieindustrie trägt etwa die Hälfte des Schweizer Exportvolumens bei, und ein Rückgang könnte die Wirtschaft empfindlich treffen.
Experten sehen die Investitionen in den USA als strategische Maßnahme, um Zöllen zu entgehen und die Marktposition zu sichern. Allerdings wird befürchtet, dass dies zulasten des Forschungs- und Produktionsstandorts Schweiz, insbesondere in der Region Basel, gehen könnte. Die Unsicherheit über die Zukunft der Handelsbeziehungen bleibt groß, obwohl die Schweiz als bedeutender Investor und Arbeitgeber in den USA gilt. Die Novartis-Fabrik in Stein steht somit exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen die Schweizer Pharmaindustrie in Zeiten globaler Handelsspannungen steht.
