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Mount Sinai Health System: Stress-Schaltkreis im Gehirn erhöht Diabetesrisiko

Forscher des Mount Sinai Health System haben einen neuartigen neuronalen Schaltkreis entdeckt, der Stress mit erhöhten Blutzuckerspiegeln und damit dem Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung bringt. Die im Tiermodell durchgeführte Studie, unterstützt von der American Diabetes Association und den National Institutes of Health, zeigt, wie die mediale Amygdala im Gehirn die Glukoseproduktion in der Leber steuert. Die Ergebnisse könnten neue Ansätze für die Prävention und Behandlung von Diabetes eröffnen.

Die Studie identifizierte erstmals einen Zusammenhang zwischen der medialen Amygdala, einem für emotionale Reaktionen bekannten Gehirnbereich, und der Blutzuckerregulation. Bisher konzentrierte sich die Forschung auf den Hypothalamus und das Stammhirn, die homöostatische Funktionen wie Hunger oder Verdauung steuern. Die neue Erkenntnis, dass die Amygdala bei Stress die Glukosefreisetzung in der Leber beeinflusst, markiert einen Paradigmenwechsel.

In Experimenten mit Mäusen zeigte sich, dass verschiedene Stressarten, wie sozialer oder visueller Stress, die Aktivität der medialen Amygdala verdoppeln und den Blutzuckerspiegel um bis zu 70 Prozent ansteigen lassen. Durch gezielte Aktivierung der Amygdala-Neuronen bei nicht gestressten Mäusen wurde ein ähnlicher Anstieg des Blutzuckers um 50 Prozent ausgelöst, ohne Verhaltensänderungen. Die Forscher verfolgten die neuronalen Verbindungen von der medialen Amygdala über den Hypothalamus zur Leber und stellten fest, dass Stress diese Verbindungen aktiviert, was die Glukosefreisetzung in der Leber nahezu verdoppelt.

Bei wiederholtem Stress in Kombination mit fetthaltiger Ernährung wurde der Schaltkreis gestört, was zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegeln führte, selbst ohne weiteren Stress. Diese Desensibilisierung des Schaltkreises fördert langfristig Hyperglykämie und erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, von dem weltweit etwa 500 Millionen Menschen betroffen sind. Chronischer Stress ist ein bekannter Risikofaktor für die Krankheit, und die Studie unterstreicht die Bedeutung sozialer und emotionaler Faktoren für die Gesundheit.

Die Ergebnisse könnten die Präventivmedizin revolutionieren, indem sie neue Wege zur Stressbewältigung und Blutzuckerkontrolle aufzeigen. Zukünftige Forschung soll die genauen Mechanismen des Schaltkreises, die beteiligten Nervenzellen und die Auswirkungen von Stressreduktion untersuchen, um Therapien zu entwickeln, die das Diabetesrisiko senken. Die Erkenntnisse betonen, dass die Behandlung von Stress und sozialen Faktoren nicht nur Diabetes, sondern auch andere Krankheiten positiv beeinflussen könnte.