Eine neue Studie hat die bisher umfassendste Analyse des Mutationsprofils von triple-negativem Brustkrebs (TNBC) bei afroamerikanischen Frauen geliefert. Die Untersuchung, veröffentlicht in Nature Genetics, zeigt, dass die Krankheit bei dieser Bevölkerungsgruppe weitgehend ähnlich ist wie bei asiatisch-amerikanischen und nicht-hispanischen weißen Frauen. Besonders auffällig ist die nahezu universelle Präsenz von Mutationen im TP53-Gen bei afroamerikanischen TNBC-Patientinnen, was die bisherige Einschätzung seiner Häufigkeit übertrifft.
Die Studie, geleitet von Song Yao vom Roswell Park Comprehensive Cancer Center in Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Keck School of Medicine der USC, dem City of Hope Comprehensive Cancer Center, dem Vanderbilt-Ingram Cancer Center und dem Slone Epidemiology Center der Boston University, nutzte Exom- und RNA-Sequenzen, um die genetischen Merkmale von TNBC zu analysieren. TNBC, definiert durch das Fehlen von Östrogen-, Progesteron- und ErbB2-Rezeptoren, ist die tödlichste Form von Brustkrebs und betrifft afroamerikanische Frauen überproportional stark. Statistisch erkranken 25,2 von 100.000 afroamerikanischen Frauen im Vergleich zu 12,9 von 100.000 nicht-hispanischen weißen Frauen.
Die Ergebnisse zeigen, dass es keine wesentlichen biologischen Unterschiede in den somatischen Mutationen – also nicht vererbten Veränderungen in Krebszellen – zwischen den ethnischen Gruppen gibt. Dies legt nahe, dass die höhere Inzidenz bei afroamerikanischen Frauen eher auf sozio-ökologische Faktoren wie Umweltbelastungen oder Zugang zur Gesundheitsversorgung zurückzuführen ist als auf unterschiedliche Krebsbiologie. Die Studie identifizierte zudem zwei Hauptentwicklungswege der Krankheit: Bei jüngeren Patientinnen stehen genetische Prädispositionen und gestörte DNA-Reparaturmechanismen im Vordergrund, während bei älteren Patientinnen Alterung und Fettleibigkeit eine zentrale Rolle spielen.
Die Forscher betonen, dass diese Erkenntnisse neue Ansätze für die Prävention und Behandlung eröffnen könnten. TNBC bleibt schwer behandelbar, obwohl neue Therapien wie PARP-Inhibitoren und Immun-Checkpoint-Inhibitoren Fortschritte bringen. Die hohe Prävalenz von TP53-Mutationen könnte die Entwicklung zielgerichteter Therapien fördern. Die bioinformatische Analyse wurde vom Team um Song Liu am Roswell Park geleitet, unterstützt von Experten wie Christine Ambrosone, John Carpten, Wei Zheng und Julie Palmer.
Hintergrund: TNBC macht 10–15 % aller Brustkrebsdiagnosen aus und ist durch begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gekennzeichnet. Die geringe Repräsentation von afroamerikanischen Frauen in früheren genomischen Studien hat das Verständnis der Krankheit eingeschränkt. Diese Studie, unterstützt durch eine breite Zusammenarbeit mehrerer Forschungszentren, markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer personalisierten Medizin, die soziale und biologische Faktoren gleichermaßen berücksichtigt, um die Gesundheitsungleichheiten bei TNBC zu adressieren.
