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CDC kürzt Lebensmittelüberwachung drastisch: Nur noch zwei von acht Krankheitserregern im Fokus

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat im Juli 2025 ihr Programm zur Überwachung lebensmittelbedingter Krankheiten massiv zurückgefahren. Die Foodborne Diseases Active Surveillance Network (FoodNet), die seit 1995 Infektionen in zehn Bundesstaaten mit etwa 54 Millionen Menschen (16 Prozent der US-Bevölkerung) aktiv überwacht, beschränkt sich nun auf die Verfolgung von nur zwei Krankheitserregern: Salmonella und Shiga-Toxin-produzierendem E. coli (STEC). Zuvor umfasste das Programm die aktive Überwachung von acht Erregern, darunter Campylobacter, Cyclospora, Listeria, Shigella, Vibrio und Yersinia.

Die Kürzung, die ohne große öffentliche Ankündigung erfolgte, wird von Experten als Rückschlag für die Lebensmittelsicherheit in den USA betrachtet. FoodNet, ein Kooperationsprogramm zwischen der CDC, dem US-Landwirtschaftsministerium, der FDA und zehn Bundesstaaten, war darauf ausgelegt, Infektionen durch labordiagnostische Tests aktiv zu identifizieren und Trends zu analysieren. Im Gegensatz zu passiven Überwachungssystemen, die auf Meldungen von Gesundheitsbehörden angewiesen sind, sucht FoodNet gezielt nach Fällen durch regelmäßige Kommunikation mit über 700 Labors. Die Reduzierung auf Salmonella und STEC, die zwar zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch Lebensmittelinfektionen zählen, bedeutet, dass andere potenziell gefährliche Erreger wie Listeria, die besonders für Schwangere und immungeschwächte Personen lebensbedrohlich ist, nicht mehr aktiv überwacht werden.

Die CDC begründet die Entscheidung mit begrenzten finanziellen Mitteln. Ein Dokument, das an das Gesundheitsministerium von Connecticut geschickt wurde, deutet darauf hin, dass die Finanzierung nicht ausreicht, um die Überwachung aller acht Erreger aufrechtzuerhalten. Obwohl Staaten weiterhin freiwillig andere Erreger überwachen können, hängt dies von ihrer eigenen Finanzlage ab, was in einigen Regionen, wie Georgia, wo keine offizielle Mitteilung über die Änderungen vorlag, zu Unsicherheiten führt. Experten warnen, dass die eingeschränkte Überwachung die Fähigkeit der Behörden beeinträchtigen könnte, Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und langfristige Trends in der Lebensmittelsicherheit zu analysieren.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit erhöhter Belastung für die CDC. Die Behörde kämpft mit den Folgen von Budgetkürzungen, einem tödlichen Anschlag auf ihr Hauptquartier in Atlanta und dem Rücktritt mehrerer Führungskräfte, einschließlich der kurzzeitigen Direktorin Susan Monarez. Kritiker sehen in der Reduzierung von FoodNet einen weiteren Beweis für die Politisierung und Schwächung der Behörde unter der aktuellen Administration. Insbesondere die Änderungen in der Impfpolitik und die Entlassung der externen Impfberatungskommission haben das Vertrauen in die CDC erschüttert. Lebensmittelsicherheitsexperten befürchten, dass die Kürzungen nicht nur die Reaktionsfähigkeit auf Ausbrüche beeinträchtigen, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung von Lebensmittelrisiken verringern könnten, was langfristig zu einer Lockerung von Vorschriften führen könnte.

Hintergrund: FoodNet wurde 1995 gegründet, um die Häufigkeit lebensmittelbedingter Infektionen zu messen und Präventionsmaßnahmen zu unterstützen. Das Programm lieferte Daten zu etwa 9,4 Millionen jährlichen Erkrankungen in den USA, von denen ein kleiner Teil auf anerkannte Ausbrüche zurückzuführen ist. Die aktive Überwachung half, Risiken in der Lebensmittelversorgung zu identifizieren, etwa durch kontaminierte Lebensmittel wie Geflügel, Schweinefleisch oder Gemüse. Die nun optionalen Erreger wie Listeria oder Campylobacter können weiterhin über passive Systeme wie das National Notifiable Diseases Surveillance System erfasst werden, doch diese liefern weniger detaillierte und zeitnahe Daten. Die CDC betont, dass sie weiterhin mit Partnern wie der FDA zusammenarbeitet, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, doch Experten fordern eine Wiederherstellung der vollständigen Überwachung, um die öffentliche Gesundheit zu schützen.