Google hat sich von einem potenziellen Opfer der KI-Revolution zu einem unverzichtbaren Partner für konkurrierende KI-Labore entwickelt. Einst als möglicher Verlierer im Wettlauf um Künstliche Intelligenz betrachtet, nutzt das Unternehmen seine Cloud-Infrastruktur und Suchdaten, um sowohl eigene KI-Produkte voranzutreiben als auch andere große Akteure der Branche zu unterstützen.
Ein bedeutender Schritt in diese Richtung ist ein milliardenschwerer Cloud-Vertrag mit Meta. Über sechs Jahre hinweg erhält Meta Zugang zu Servern, Speicher, Netzwerken und leistungsstarken Nvidia-GPUs in Googles Rechenzentren. Der Deal, einer der größten in der Geschichte von Google Cloud, ist besonders bemerkenswert, da Meta und Google in vielen Bereichen direkte Konkurrenten sind. Meta nutzt neben Googles Infrastruktur auch Ressourcen von Amazon Web Services, Microsoft Azure, Oracle und CoreWeave sowie eigene Rechenzentren.
Auch OpenAI, ein weiterer wichtiger Akteur im KI-Bereich, greift auf Google Cloud zurück. Darüber hinaus bezieht das Unternehmen indirekt Google-Suchdaten über den Drittanbieter SerpAPI, der Suchergebnisse extrahiert. Diese Daten sind entscheidend, um aktuelle Anfragen etwa zu Nachrichten oder Börseninformationen präzise zu beantworten. Ähnliche Dienste nutzen auch Apple, Perplexity und Meta. Google selbst bietet keine offiziellen APIs für Suchdaten an, was die Abhängigkeit von Drittanbietern unterstreicht.
Die Qualität von Suchindizes ist ein Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit von KI-Modellen wie ChatGPT, Claude oder Perplexity. Während Anthropic für sein Modell Claude den Brave-Index nutzt, bleibt dieser in seiner Tiefe und Relevanz hinter Google zurück. OpenAI arbeitet langfristig daran, einen eigenen Suchindex aufzubauen, ist jedoch derzeit auf eine Kombination aus Microsofts Bing, einem eigenen Crawler und indirekt Google-Daten angewiesen. Fortschritte in der agentenbasierten Modellarchitektur, wie etwa das auf Webnavigationsdaten trainierte Modell „o3“, verbessern die Antwortqualität von ChatGPT erheblich.
Google selbst treibt die Integration von KI in seine Suchmaschine voran und hat kürzlich ein interaktives Lernformat in seiner Gemini-App eingeführt sowie das KI-Video-Tool Veo 3 für kostenlose Tests freigegeben. Die weltweite Ausrollung einer „agentischeren“ KI-Suche unterstreicht Googles Ambitionen, sowohl als Innovator als auch als Infrastrukturanbieter eine zentrale Rolle in der KI-Landschaft einzunehmen.
Die Entwicklungen zeigen, dass Google seine Marktposition geschickt ausbaut. Statt durch KI verdrängt zu werden, etabliert sich das Unternehmen als Rückgrat für die nächste Generation von KI-Produkten – selbst für seine Wettbewerber.
