Bern, Schweiz – Die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD), eine hochansteckende Viruserkrankung, die Rinder, Büffel und Bisons befällt, rückt gefährlich nahe an die Schweiz heran, mit bestätigten Ausbrüchen nur 50 Kilometer von der Grenze entfernt in der französischen Region Savoyen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat drastische Schutzmaßnahmen ergriffen, darunter die obligatorische Impfung von über 2.000 Rindern in den Kantonen Genf, Waadt und Wallis, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, wie agrarheute am 21. August 2025 berichtet. Die Krankheit, die durch blutsaugende Insekten wie Mücken und Fliegen übertragen wird, verursacht Fieber, knotige Hautveränderungen, Milchleistungsverluste und erhebliche wirtschaftliche Schäden, stellt jedoch keine Gefahr für Menschen dar.
Zur Eindämmung der LSD, die seit Juni 2025 in Frankreich (Savoyen und Haute-Savoyen), Italien (Sardinien und Lombardei) und anderen Regionen Europas bestätigt wurde, hat das BLV eine Überwachungszone in den Kantonen Genf, Teilen von Waadt (Region Terre Sainte) und Wallis (Regionen Champéry, Finhaut und Ferret) eingerichtet. In diesen Gebieten ist die Impfung für alle empfänglichen Tiere verpflichtend, während sie außerhalb der Zone verboten ist, um die Seuchenfreiheit der Schweiz zu wahren. Da der eingesetzte Impfstoff in der Schweiz nicht zugelassen ist, wurde per Allgemeinverfügung des BLV in Absprache mit Swissmedic am 11. Juli 2025 der Import und die Anwendung bewährter EU-Impfstoffe genehmigt. Die Impfung, deren Kosten vollständig von den Veterinärbehörden übernommen werden, bietet etwa acht Tage nach Verabreichung ersten Schutz und ist nach 28 Tagen vollständig wirksam.
Zusätzlich gelten in der Überwachungszone strenge Maßnahmen: Der Transport von Rindern ist weitgehend verboten, mit Ausnahmen nur unter strikten Auflagen. Vieh- und Tiermärkte sowie Ausstellungen mit Rindern sind untersagt, und Tierhalter wurden aufgefordert, ihre Tiere vor Insektenstichen zu schützen und verdächtige Symptome – wie Fieber, Hautknoten, Appetitlosigkeit oder Nasen- und Augenausfluss – umgehend zu melden. Ein verstärktes veterinärmedizinisches Überwachungsprogramm wurde implementiert, um die Seuchenfreiheit der Schweiz zu sichern, da bisher kein LSD-Fall im Land bestätigt wurde.
Die Ausbreitung der LSD hatte auch Auswirkungen auf die Tour de France: Die 19. Etappe am 25. Juli 2025 von Albertville nach La Plagne wurde von 130 auf 95 Kilometer gekürzt, um eine Durchfahrt durch infizierte Gebiete, insbesondere am Col des Saisies, zu vermeiden. Diese Entscheidung wurde in Absprache mit den französischen Behörden getroffen, die auf EU-Vorgaben zur Seuchenbekämpfung setzen, einschließlich Sperrzonen und Impfkampagnen. Französische Bauernverbände lehnen pauschale Keulungen ab und fordern differenziertere Maßnahmen wie individuelle Tests, doch die Veterinärbehörden betonen das hohe Risiko einer grenzüberschreitenden Ausbreitung.
Die Maßnahmen haben auch kulturelle Auswirkungen: Im Unterwallis sind über 100 Betriebe beim traditionellen Alpabzug von Einschränkungen betroffen, da die Überwachungszone den Transport von Tieren erschwert. Die Schweizer Behörden arbeiten eng mit den kantonalen Veterinärdiensten zusammen, um die Lage zu überwachen und weitere Ausbrüche zu verhindern. Die SVP im Kanton St. Gallen hat zudem die Regierung aufgefordert, die Bereitschaft für einen möglichen Ausbruch zu prüfen, was die wachsende Besorgnis in der Landwirtschaft widerspiegelt.
Die LSD, die in Afrika und im Nahen Osten endemisch ist, hatte 2015–2016 Südosteuropa erreicht, wurde dort aber durch flächendeckende Impfungen eingedämmt. Die jüngsten Ausbrüche in Italien und Frankreich, begünstigt durch die Insektenaktivität im Sommer, unterstreichen die Dringlichkeit präventiver Maßnahmen. Experten warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Verlusten durch Milchrückgang, Fruchtbarkeitsprobleme und Lederqualitätseinbußen, obwohl die Sterberate der Krankheit niedrig ist. Die Schweiz setzt auf Impfungen als effektivste Kontrollmethode, wie von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlen, um einen Seuchenfall mit potenziell verheerenden Folgen zu verhindern.
