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Ausstellung in Dortmund widmet sich der unbekannten Krankheit Vulvodynie

Vom 23. bis 30. August 2025 findet in Dortmund die Ausstellung „Vulvodynie: Eine Krankheit, über die gesprochen werden muss“ statt. Die Veranstaltung im Raum „Annelise“ (Gneisenaustraße 30) des Projekts Dortmund Kreativ wirft ein Licht auf die chronische Erkrankung Vulvodynie, die trotz ihrer weitreichenden Auswirkungen auf das Leben betroffener Frauen in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet. Die Fotografin Celia Joy Homann nutzt ihre künstlerische Arbeit, um die unsichtbaren Schmerzen sichtbar zu machen und gesellschaftliche Tabus zu durchbrechen.

Hintergrund: Was ist Vulvodynie?
Vulvodynie beschreibt chronische Schmerzen im Bereich der Vulva, die länger als drei Monate anhalten und keine klare medizinische Ursache aufweisen. Die Symptome reichen von Brennen und Stechen bis hin zu Jucken oder Trockenheit und betreffen schätzungsweise fünf bis zehn Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens. Die Erkrankung schränkt alltägliche Aktivitäten wie Sitzen, Sport oder sexuelle Intimität erheblich ein und führt häufig zu psychosozialen Belastungen. In Deutschland bleibt die Diagnose oft jahrelang unerkannt, was die Betroffenen vor große Herausforderungen stellt. Viele müssen sich selbst über Behandlungsmöglichkeiten informieren, da das Gesundheitssystem oft keine ausreichende Unterstützung bietet. Multimodale Therapieansätze existieren, doch ihre Wirksamkeit variiert stark von Person zu Person.

Künstlerischer Ansatz gegen das Schweigen
Celia Joy Homann, die Initiatorin der Ausstellung, widmet sich in ihrer fotografischen Arbeit der Darstellung dieser verborgenen Krankheit. Durch einfühlsame Porträts und atmosphärische Bildwelten schafft sie einen Raum, in dem Betroffene sichtbar werden und ihre Geschichten erzählt werden können. Ihre Arbeit basiert auf Gesprächen mit Betroffenen und Fachleuten, darunter eine Sexualtherapeutin aus Gelsenkirchen, die betont, dass viele Frauen ein Gefühl der Entfremdung von ihrem eigenen Körper erleben. Homanns Ziel ist es, das Bewusstsein für Vulvodynie zu schärfen und die Kommunikation zwischen Patientinnen und medizinischem Personal zu verbessern, um negative Erwartungshaltungen – sogenannte Noceboeffekte – zu minimieren, die den Therapieerfolg beeinträchtigen können.

Wissenschaftliche Unterstützung
Die Ausstellung wird vom Sonderforschungsbereich SFB/TRR 289 „Treatment Expectation“ unterstützt, der sich mit Placebo- und Noceboeffekten sowie deren Einfluss auf Therapieerfolge beschäftigt. Die Leiterin des Bereichs Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen betont die Notwendigkeit, chronische Schmerzerkrankungen wie Vulvodynie stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Obwohl die Informationslage sich in den letzten Jahren verbessert hat – unter anderem durch die Einführung eines „Deutschen Vulvodynie-Tags“ – bleibt die Erkrankung weitgehend unbekannt. Eine sensible Kommunikation sei entscheidend, um Betroffenen nicht nur medizinische, sondern auch gesellschaftliche Unterstützung zu bieten.

Begleitprogramm und Fotobuch
Die Ausstellung wird am 23. August um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet und ist bis zum 30. August kostenlos zugänglich. Begleitend erscheint ein Fotobuch, das Interviews mit Betroffenen sowie Beiträge von Ärztinnen und Ärzten aus verschiedenen Fachbereichen enthält. Dieses Buch soll die Aufklärungsarbeit fortsetzen und die Diskussion über Vulvodynie anregen.

Ein Schritt zur Enttabuisierung
Die Veranstaltung in Dortmund ist ein wichtiger Beitrag, um die Isolation Betroffener zu durchbrechen und die gesellschaftliche Wahrnehmung von chronischen Schmerzen im Intimbereich zu verändern. Durch die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und persönlichen Geschichten setzt Celia Joy Homann ein starkes Zeichen für mehr Aufklärung und Verständnis. Weitere Informationen zur Ausstellung sind auf der Website von Dortmund Kreativ verfügbar.

Kontakt:

  • Veranstaltungsort: ANNELISE – Raum für Bücher und Bilder, Gneisenaustraße 30, 44147 Dortmund
  • Termin: 23.08.2025 – 30.08.2025, Vernissage: 23.08.2025, 19:00 Uhr
Vulvodynie – Fotoprojekt von (c) Celia Joy Homann