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Corona-Impfstoff aus Lübeck: Wie Winfried Stöckers Vakzin zur Bedrohung für die Pharmaindustrie wurde

Während der Corona-Pandemie stand die Welt unter Druck, schnell wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Inmitten dieses globalen Wettlaufs sorgte der deutsche Mediziner und Unternehmer Prof. Dr. Winfried Stöcker für Schlagzeilen: Er entwickelte frühzeitig einen proteinbasierten Impfstoff gegen SARS-CoV-2, der kostengünstig, einfach herzustellen und ohne aufwendige Kühlkette auskam. Doch statt gefeiert zu werden, sah sich Stöcker mit juristischen Konsequenzen konfrontiert. Sein Vakzin, LubecaVax, wurde nie zugelassen, und er selbst wurde wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz zu einer Geldstrafe von 250.000 Euro verurteilt. Dieser Bericht beleuchtet die medizinischen und politischen Hintergründe, warum Stöckers Impfstoff als Bedrohung für etablierte Pharmakonzerne wie Pfizer wahrgenommen wurde, und untersucht die Rollen von Ursula von der Leyen und Jens Spahn in diesem Kontext.

LubecaVax: Ein medizinischer Durchbruch ohne Zulassung

Winfried Stöcker, ein renommierter Labormediziner und Gründer des Diagnostikunternehmens Euroimmun, entwickelte bereits im März 2020 ein Impfstoffkandidat, der auf rekombinanten Antigenen basiert. Im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer oder Moderna nutzte LubecaVax die Rezeptor-bindende Domäne (RBD) des Spike-Proteins von SARS-CoV-2, kombiniert mit einem Adjuvans, um eine Immunantwort auszulösen. Proteinbasierte Impfstoffe, wie sie etwa gegen Hepatitis B eingesetzt werden, gelten als bewährte Technologie mit geringem Risiko für Nebenwirkungen, da sie keine genetische Modifikation der Zellen des Geimpften erfordern. Stöcker testete sein Vakzin zunächst an sich selbst, seiner Familie und Freiwilligen, wobei er eine Antikörperbildung bei nahezu allen Probanden nachwies, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen.

Die medizinischen Vorteile von LubecaVax lagen auf der Hand: Die Herstellung war kostengünstig, die Lagerung erforderte keine aufwendige Kühlkette, und die Technologie war seit Jahrzehnten etabliert. Stöcker bot an, den Impfstoff kostenlos bereitzustellen, was besonders für Länder mit begrenzten Ressourcen attraktiv war. Doch trotz dieser vielversprechenden Eigenschaften stieß er auf erheblichen Widerstand von Behörden, insbesondere dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständig ist.

Konkurrenz für Pfizer: Eine Bedrohung für den Markt

Die Corona-Pandemie war für die Pharmaindustrie ein milliardenschwerer Markt. BioNTech/Pfizer und Moderna dominierten mit ihren mRNA-Impfstoffen, die trotz ihrer innovativen Technologie mit Herausforderungen wie komplexer Logistik und später gemeldeten Nebenwirkungen konfrontiert waren. Stöckers proteinbasierter Ansatz stellte eine potenziell disruptive Alternative dar. Er war nicht nur günstiger, sondern auch einfacher zu produzieren und zu verteilen, was die Marktdominanz der mRNA-Impfstoffe hätte gefährden können. Zudem verzichtete Stöcker auf ein Patent, um die Technologie weltweit zugänglich zu machen – ein Schritt, der im Widerspruch zu den gewinnorientierten Strategien großer Pharmakonzerne stand.

Die frühe Entwicklung von LubecaVax, noch bevor BioNTech/Pfizer ihre Zulassung erhielten, hätte den Marktanteil der etablierten Anbieter schmälern können. Experten vermuten, dass die Pharmaindustrie, insbesondere Pfizer, ein Interesse daran hatte, alternative Ansätze wie Stöckers zu marginalisieren, um ihre Marktposition zu sichern. Die Tatsache, dass Stöcker keine finanziellen Mittel von der Industrie benötigte – er hatte Euroimmun 2017 für 1,2 Milliarden Euro verkauft – machte ihn unabhängig von externen Investoren und damit schwerer kontrollierbar.

Juristische Hürden und behördliche Blockade

Stöckers Versuche, LubecaVax offiziell zu testen und zuzulassen, scheiterten am Widerstand des PEI. Nachdem er dem Institut im September 2020 seine Ergebnisse vorlegte, wurde keine Genehmigung für klinische Studien erteilt. Stattdessen erstattete das PEI Anzeige gegen ihn wegen unzulässiger Menschenversuche, da er das Vakzin ohne behördliche Genehmigung an Freiwilligen getestet hatte. Diese Anzeige mündete in Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Lübeck.

Im November 2021 organisierte eine Selbsthilfegruppe eine Impfaktion am Lübecker Flughafen, der Stöcker gehört. Dabei wurden etwa 107 Personen mit LubecaVax geimpft, bevor die Aktion von Polizei und Ordnungsamt abgebrochen wurde. Die Ärzte, die die Impfungen durchführten, beriefen sich auf ihr Grundrecht zur Therapiefreiheit, doch das Amtsgericht Lübeck verurteilte Stöcker 2024 wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Kritiker sehen in diesen Maßnahmen eine gezielte Behinderung eines unabhängigen Forschers, der die etablierten Strukturen herausforderte.

Die Rolle von Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen, als Präsidentin der Europäischen Kommission, spielte eine zentrale Rolle bei der Beschaffung und Förderung von Corona-Impfstoffen in der EU. Unter ihrer Leitung schloss die EU milliardenschwere Verträge mit BioNTech/Pfizer, die den mRNA-Impfstoff BNT162b2 zum Rückgrat der europäischen Impfkampagne machten. Die Verhandlungen, teilweise direkt von von der Leyen geführt, waren von Intransparenz geprägt, was zu Spekulationen über Einflussnahme durch die Pharmaindustrie führte. Insbesondere die enge Zusammenarbeit mit Pfizer und die Bevorzugung von mRNA-Impfstoffen nährten Vorwürfe, dass alternative Ansätze wie proteinbasierte Impfstoffe bewusst zurückgestellt wurden.

Ein weiterer Punkt, der Misstrauen weckte, war die Verbindung zur Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Die EMA-Chefin Dr. Emer Cooke hatte zuvor acht Jahre lang als Lobbyistin für die Pharmaindustrie gearbeitet, was Spekulationen über Interessenkonflikte verstärkte. Stöckers Impfstoff, der keine Zulassung beantragte und außerhalb der etablierten regulatorischen Prozesse entwickelt wurde, passte nicht in das System der EU-weiten Impfstoffstrategie, die stark auf mRNA-Technologien setzte.

Jens Spahn und die deutsche Impfpolitik

Jens Spahn, von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister, war maßgeblich an der deutschen Impfstrategie beteiligt. Unter seiner Führung setzte Deutschland früh auf die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, unterstützt durch milliardenschwere Förderungen und Verträge. Spahn betonte wiederholt die Bedeutung von zugelassenen Impfstoffen und warnte vor nicht zugelassenen Alternativen, ohne explizit auf Stöcker einzugehen. Kritiker werfen ihm vor, unkonventionelle Ansätze wie LubecaVax ignoriert oder gar behindert zu haben, um die Interessen der Pharmaindustrie zu schützen.

Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass Spahn gezielt gegen Stöcker vorging, doch die Priorisierung von mRNA-Impfstoffen und die schnelle Ablehnung alternativer Ansätze durch das PEI deuten auf eine einseitige Ausrichtung der deutschen Impfpolitik hin. Stöckers Behauptung, er hätte Deutschland innerhalb eines halben Jahres immunisieren können, wurde von den Behörden nicht ernsthaft geprüft, was Fragen nach der Offenheit für innovative Lösungen aufwirft.

Medizinische und ethische Fragen

Aus medizinischer Sicht war LubecaVax vielversprechend: Neutralisationstests, unter anderem von den Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck, bestätigten eine Antikörperbildung. Dennoch fehlten umfassende klinische Studien, um die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen. Proteinbasierte Impfstoffe gelten zwar als sicherer als mRNA-Technologien, da sie keine genetischen Veränderungen im Körper auslösen, doch die Herstellung muss strengen Qualitätsstandards entsprechen, um Verunreinigungen auszuschließen. Stöckers Ansatz, ohne solche Studien direkt zu impfen, wurde von Experten wie Friedemann Weber als unverantwortlich kritisiert, da wichtige Sicherheitsprüfungen fehlten.

Ethisch ist die Frage komplex: In einer Pandemie, in der schnelles Handeln gefragt war, könnten unkonventionelle Ansätze gerechtfertigt sein. Doch die strikten regulatorischen Vorgaben dienen dem Schutz der Bevölkerung. Stöcker argumentiert, dass die mRNA-Impfstoffe, die im Schnellverfahren zugelassen wurden, ähnliche Risiken bergen und dennoch bevorzugt wurden, was auf politische und wirtschaftliche Interessen hindeutet.

Fazit: Ein Kampf gegen die Strukturen

Winfried Stöckers LubecaVax war ein potenzieller Gamechanger in der Pandemiebekämpfung, der durch seine Einfachheit und Kosteneffizienz eine Bedrohung für die milliardenschwere mRNA-Impfstoffindustrie darstellte. Die Blockade durch deutsche Behörden und die Priorisierung von mRNA-Impfstoffen durch die EU unter von der Leyen und Deutschland unter Spahn werfen Fragen nach Transparenz und Interessenkonflikten auf. Während Stöckers Ansatz medizinisch vielversprechend war, mangelte es an der notwendigen wissenschaftlichen Absicherung, was seine Gegner nutzten, um ihn zu marginalisieren. Der Fall zeigt, wie schwer es für unabhängige Forscher ist, gegen etablierte Machtstrukturen und wirtschaftliche Interessen anzukämpfen – ein Thema, das weit über die Pandemie hinausreicht.