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Neue Therapieoption für S. aureus-Blutbahninfektionen

Eine von den National Institutes of Health (NIH) geförderte klinische Studie hat gezeigt, dass die Behandlung komplizierter Blutstrominfektionen durch Staphylococcus aureus mit zwei Dosen des Antibiotikums Dalbavancin ebenso wirksam und sicher ist wie die herkömmliche tägliche intravenöse Therapie über vier bis sechs Wochen. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal of the American Medical Association, bieten Ärzten und Patienten eine neue, weniger invasive Behandlungsalternative für diese schwerwiegenden Infektionen.

Hintergrund und Bedeutung

Staphylococcus aureus ist eine der Hauptursachen für Blutstrominfektionen (Bakteriämie) in den USA. Im Jahr 2017 verursachte das Bakterium rund 120.000 Infektionen und etwa 20.000 Todesfälle. Besonders problematisch ist die zunehmende Resistenz des Bakteriums, insbesondere bei Methicillin-resistentem S. aureus (MRSA), gegen viele Antibiotika. Die Standardtherapie erfordert die tägliche Verabreichung von Antibiotika wie Vancomycin oder Daptomycin über einen peripher eingeführten Zentralkatheter (PICC), der über Wochen im Körper verbleibt. Dies kann zu Komplikationen wie Blutgerinnseln oder Infektionen führen und schränkt die Lebensqualität der Patienten erheblich ein.

Im Gegensatz dazu wird Dalbavancin in nur zwei intravenösen Dosen im Abstand von sieben Tagen verabreicht, wobei ein kurzfristiger Katheter verwendet wird. Dies reduziert das Risiko von Komplikationen und ermöglicht eine flexiblere Behandlung.

Die DOTS-Studie

Die Phase-2b-Studie „Dalbavancin als Option zur Behandlung von S. aureus-Bakteriämie“ (DOTS), durchgeführt von der Antibacterial Resistance Leadership Group unter Leitung von Dr. Thomas L. Holland von der Duke University School of Medicine, umfasste 200 hospitalisierte Erwachsene mit komplizierter S. aureus-Bakteriämie. Die Studie fand von 2021 bis 2023 an 23 medizinischen Zentren in den USA und Kanada statt.

Die Teilnehmer erhielten zunächst drei bis zehn Tage eine Breitbandantibiotika-Therapie, bis keine S. aureus-Bakterien mehr im Blut nachweisbar waren. Danach wurden sie zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt Dalbavancin (1500 mg intravenös an Tag 1 und 8), die andere Gruppe die Standardtherapie (z. B. Cefazolin, Vancomycin oder Daptomycin) über vier bis acht Wochen. Die Beurteilung des Behandlungserfolgs erfolgte nach 70 Tagen durch ein Expertengremium, das die Ergebnisse anhand von Kriterien wie klinischem Erfolg, Komplikationen, Sicherheit und Lebensqualität bewertete, ohne die zugewiesene Therapie zu kennen.

Ergebnisse

Die Studie zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit eines besseren Gesamtbehandlungsergebnisses in der Dalbavancin-Gruppe bei 47,7 % lag, was bedeutet, dass Dalbavancin der Standardtherapie nicht überlegen war. Dennoch waren die einzelnen Komponenten des Behandlungsergebnisses, wie klinischer Erfolg und Sicherheit, in beiden Gruppen vergleichbar. Dalbavancin erwies sich als ebenso wirksam und sicher wie die Standardtherapie. Wie erwartet traten in der Dalbavancin-Gruppe weniger Nebenwirkungen und katheterbedingte Komplikationen wie Blutgerinnsel auf. Überraschend war jedoch, dass die Lebensqualität in beiden Gruppen ähnlich bewertet wurde, möglicherweise weil die verwendete Umfrage keine relevanten Unterschiede erfasste.

„Unsere Ergebnisse geben Patienten und Ärzten eine zusätzliche Option bei der Behandlung komplizierter S. aureus-Bakteriämien“, erklärte Dr. Nicholas A. Turner, Erstautor der Studie und Assistenzprofessor an der Duke University School of Medicine. „Dalbavancin bietet eine praktikable Alternative, die die Belastung für Patienten reduzieren kann.“

Ausblick

Die Forscher analysieren derzeit die Kosteneffizienz der beiden Therapieansätze, um weitere Entscheidungsgrundlagen für den klinischen Einsatz zu schaffen. Die Ergebnisse der DOTS-Studie (ClinicalTrials.gov: NCT04775953) stellen einen wichtigen Schritt im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen dar und erweitern die Behandlungsmöglichkeiten für eine potenziell lebensbedrohliche Infektion.

Über die NIH und das NIAID

Die National Institutes of Health (NIH) sind die führende medizinische Forschungsbehörde der USA und Teil des US-Gesundheitsministeriums. Das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) erforscht Infektions- und Immunkrankheiten und entwickelt Strategien zu deren Prävention, Diagnose und Behandlung. Weitere Informationen finden sich auf www.nih.gov und der NIAID-Website.

Referenz: NA Turner et al. Dalbavancin zur Behandlung von Staphylococcus aureus-Bakteriämie: Die randomisierte klinische DOTS-Studie. Journal of the American Medical Association (2025). DOI: 10.1001/jama.2025.12543.